Feb 22

Grenzen der PKV-Beratung

…oder noch ein Grund weshalb man nicht jedes Jahr den Krankenversicherer wechseln sollte…

Kunde (selbstständiger Kaufmann) wechselt zum 01. Januar 2010 von Gesellschaft A zu Gesellschaft B. Im September 2010 erleidet der Kunde einen Schlaganfall, wird 5 Tage stationär behandelt und im Anschluss daran erst für 3 Monate und dann nochmals für 3 Monate krankgeschrieben. Gesellschaft B bezahlt erst einmal 150 Euro Krankentagegeld (4. 500 Euro monatlich) für 6 Wochen und stoppt danach die Zahlungen. Im Januar 2011 kommt die Rechnung von der Klinik für den stationären Aufenthalt in Höhe von rund 3.000 Euro mit einem Zahlungsziel von 14 Tagen, da der Versicherer die Zahlung bist dato verweigert hat. Der Kunde muss nun A) seine Fixkosten wie u.a. Finazierungsrate für das Haus, Leasingrate für das Auto, Lebenshaltungskosten seiner Familie B) seinen Krankenversicherungsbeitrag C) Rechnung der Klinik (da Selbstzahler besteht ein Vertrag zwischen Klinik und Kunde direkt) sowie D) weitere Rechnungen der Ärzte und Behandler bezahlen. Im Extremfall droht ihm aktuell die Insolvenz.

Was ist passiert?

Gesellschaft B prüft seit November 2010 §19 VVG – Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht. Dazu wurde etwaige Arztanfragen gestellt und von den jeweiligen Ärzten recht zeitnah bearbeitet (rund 4 Wochen). Ferner wurde eine Anfrage an den Vorversicherer gestellt, die dann ebenfalls recht zeitnah (rund 6 Wochen) bearbeitet wurde. Nun werden bis zum heutigen Zeitpunkt (Mitte Februar 2011) die Unterlagen bei dem aktuellen Versicherer geprüft. Zwar hat der Kunde EIGENTLICH nichts zu befürchten, da die Gesundheitsfragen nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet wurden und doch steht seine gesamte Existenz derzeit auf dem Spiel.

Was kann man tun, um so eine Situation zu vermeiden?

1. Nach Möglichkeit die PKV NICHT wechseln

2. Alle Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantworten

3. Richtige Höhe Krankentagegeld ermitteln (lassen)

4. Zusätzliche Absicherungsmöglichkeiten prüfen

5. Als Selbstständiger/ Freiberufler immer genügend Rücklagen bilden

Mit freundlichen Empfehlungen
Wladimir Simonov
Ihr Honorarberater

Feb 17

Arten von Honorarmodellen

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen herzlichen Dank für das zahlreiche Feedback zu meinem Artikel bzgl. Interessenskonflikten im Versicherungsvertrieb. Aufgrund der zahlreichen Nachfragen von Kunden und Kollegen habe ich mich entschieden, einen Überblick aller möglichen Arten von Honorarvergütung anzufertigen.

Rechtliche Grundlagen

Es gibt Versicherungsvermittlung gemäß § 34 d GewO und Versicherungsberatung gemäß § 34 e GewO.

§34d vs §34e GewO
Ein Versicherungsmakler darf also vermitteln und als Annexdienstleistung Nicht-Verbraucher (Freiberufler, Gewerbetreibende, Unternehmen, Gemeinden, …) sowie deren Beschäftigte rechtlich in Versicherungsfragen beraten. Nichtsdestotrotz dass eine Vermittlung im Mittelpunkt der Tätigkeit als Versicherungsmakler steht, hängt die Beratung davor untrennbar mit der Vermittlungsleistung zusammen. Wenn ein Versicherungsmakler seine Beratungspflichten im Vorfeld der Vermittlung missachtet, schuldet er Schadensersatz – deshalb ist auch die Vermögensschadenhaftpflicht neben anderen Voraussetzungen wie Zuverlässigkeit und auch Sachkundenachweis zwingende Voraussetzung für die Erlaubnis der zuständigen IHK.

Ein Versicherungsberater hingegen darf nur Beratung und außergerichtliche Vertretung erbringen – Versicherungsvermittlung sowie Annahme von Provision sind ihm untersagt.

Was bedeutet das in der Praxis?

Die einzige Berufsgruppe in der Versicherungsbranche, die echten Restriktionen bzgl. Vergütungsart unterliegt ist der Versicherungsberater. Führende Rechtsexperten wie bspw. Prof. Dr. Schwintowski gehen jedoch davon aus, dass Beratung gegen Honorar für Versicherungsmakler nicht nur bei den o.g. Nicht-Verbrauchern zulässig ist – weitere Informationen dazu finden Sie u.a. auf der Seite der DVVF AG – sofern diese im Zusammenhang mit einer Versicherungsvermittlung steht. Die Praxis der Vergütung der Versicherungsmakler durch Produktgeber ist rund 100 Jahre alt, der Berufsstand existiert als solcher aber bereits seit rund 500 Jahren. Das heißt, es war eigentlich schon seit jeher Brauch, dass Makler ihre Courtage (Mäklerlohn) ohne den “Umweg” der Zahlstelle Produktgeber direkt vom Kunden erhalten.

Umsatzsteuer – ja oder nein?

Versicherungsvermittlung ist umsatzsteuerfrei, Versicherungsberatung umsatzsteuerpflichtig. Honorarberatung eines Versicherungsmaklers im Zusammenhang mit einer erfolgreichen Vermittlung ist also demzufolge umsatzsteuerfrei und im Umkehrschluss ohne eine stattgefundene Vermittlungsleistung umsatzsteuerpflichtig – in der Theorie! In diesem Zusammenhang empfehle ich allen Maklerkollegen eine verbindliche Auskunft des zuständigen Finanzamtes einzuholen, da es wohl regionale Unterschiede bei der praktischen Handhabung gibt.

Erläuterung der Begrifflichkeiten

Honorarberatung:

Die Vergütung erfolgt i.d.R. aufwandsbezogen. Da dies eine sog. MEHRwertdienstleistung ist, ist für die Rechnungsstellung unerheblich, ob der Kunde nach der Beratung ein Produkt abschließt oder nicht. Die gängigsten Formen sind ein Stundensatz oder eine Pauschale.

Honorarvermittlung:

Die Vergütung erfolgt immer ergebnisbezogen und wird i.d.R. nur bei Abschluss fällig. Der Kunde legt i.d.R. gemeinsam mit dem Vermittler die Höhe der “externen” Courtage (Honorar) fest, die dann bei Abschluss des Vertrages fällig wird.

Mögliche Arten von Honorarberechnung

A) Stundensatz – die rationalste Art der Vergütung

Vorteile: Der Kunde kann die Höhe des Honorars aktiv mitgestalten, indem er bspw. selbst Unterlagen anfordert und ordnet oder gezielte Beratung zu einem ganz konkreten Thema/ Sachverhalt/ Problem bucht.
Nachteile: Das Honorar wird auch dann fällig, wenn das Problem nicht gelöst wurde oder die Themen/ Sachverhalte nicht abschließend beraten werden (konnten). Bei umfangreichen Beratungsmandaten ist im Voraus nicht klar, wie hoch der Gesamtaufwand werden wird.
Lösungen: Den Berater gem. seiner Qualifikation, Schwerpunkte und Referenzen auswählen. Im Voraus Budget festlegen und den Berater bitten sich zu melden, sobald bestimmte Budgetgrenzen erreicht wurden.
Beispiele: Tarifwechsel in der privaten Krankenversicherung, Aufbau der Altersvorsorge, Arten der Arbeitskraftabsicherung , Gutachten, …

B) Pauschale – die transparenteste Art der Vergütung

Vorteile: Der Kunde weiß im Voraus, wie hoch das Honorar für eine bestimmte Beratungsdienstleistung sein wird und kann den Berater ganz gezielt einsetzen.
Nachteile: Das Honorar wird nach erbrachter Dienstleistung fällig und es gibt ebenfalls keine “Erfolgsgarantie”.
Lösungen: Den Berater gem. seiner Qualifikation, Schwerpunkte und Referenzen auswählen.
Beispiele: Beratung bzgl. Krankenversicherung, Ermittlung Versorgungslücken, Betreuung bestehender Verträge, Gutachten, …

C) Quote – die fairste Art der Vergütung

Vorteile: Der Kunde weiß im Voraus, dass er nur im Falle eines “Vorteils” den Berater vergütet.
Nachteile: Die absolute Honorarhöhe in Euro kann nur schwer im Voraus geschätzt werden. Sofern Kostenersparnis Kundenwunsch und Grundlage des Beratungsauftrages ist, bedeutet dies nicht automatisch adäquates Leistungsniveau.
Lösungen: Budgetgrenzen setzen und die Parameter des gewünschten “Vorteils” möglichst genau im Voraus festlegen.
Beispiele: Tarifwechsel in der privaten Krankenversicherung, Optimierung der Sach-, Haftpflicht- und Kfz-Verträge, Beteiligung an der Rendite einer Kapitalanlage, …

D) Relation – die bekannteste Art der Vergütung

Vorteile: Der Kunde weiß im Voraus, dass er nur dann bezahlen muss, wenn er abschließt und das Honorar in einer bestimmten Relation zu seiner “Leistungsfähigkeit” steht.
Nachteile: Die absolute Höhe in Euro ist in vielen Fällen nur schwer zu rechtfertigen
Lösungen: Mischformen mit anderen Honorararten wählen sowie Budgetgrenzen setzen
Beispiele: Altersvorsorge, Kapitalanlage, Betreuung (bestehender) Verträge, …

In meiner Beratungspraxis kommen i.d.R. Mischformen aller 4 Honorararten zum Einsatz. Beispiele hierfür sind:

- Mischung aus Stundensatz und Relation: Bei Beratungen bzgl. Kapitalanlage beträgt mein Stundensatz 1%o der Anlagesumme, mindestens aber 99 Euro netto
- Mischung aus Pauschale und Quote: Bei Beratung bzgl. Tarifwechsel in der privaten Krankenversicherung beträgt das Honorar die Quote von 50% der Erstjahresersparnis, mindestens aber 500€ netto
- Mischung aus Quote und Relation: Bei Abschluss einer kapitalbildenden Rentenversicherung beträgt das Honorar die Quote von 25% des garantierten Mehrwerts gegenüber der besten vergleichbaren Lösung am Markt
- . . .

Tipp zum Schluss: Wenn Sie sich gegen Honorar beraten lassen, lassen Sie sich von Ihrem Berater schriftlich abzeichnen, dass von Seiten eines etwaigen späteren Produktgebers keinerlei Vergütung an ihn, seine Familienmitglieder oder eines der Unternehmen, an den er oder seine Familienmitglieder beteiligt sind, erfolgt. Dieser Interessenskonflikt ist nämlich nicht einmal bei Versicherungsberatern wirksam ausgeschlossen.

Mit freundlichen Empfehlungen
Wladimir Simonov
Ihr Honorarberater

Feb 14

Interessenskonflikte im Versicherungsvertrieb

Sehr geehrte Damen und Herren,

oft genug werde ich von Kunden sowie auch Kollegen gefragt, worin ich die Vorteile der Honorarberatung sehe und ob sich diese Vergütungsform denn “lohne”. Meine Antwort lautet dabei stets, dass es die absolute Unabhängigkeit und der Wegfall jeglicher Interessenskonflikte und weniger ein kurzfristiger finanzieller Vorteil für beide Seiten sei. Was ich damit meine, erörtere ich gerne.

Viel ist darüber geschrieben worden, wie hoch die Kosten bei Lebensversicherungen und Krankenversicherungen sind. Um diese exakt in Euro zu beziffern, müsste man ein Aktuar sein – ich werde mich daher darauf beschränken, nur mit echten Daten aus der Praxis zu arbeiten, um die Interessenskonflikte im Versicherungsvertrieb zu erklären.

Teil I) Lebensversicherung

Es gibt mehrere Parameter, von den die Vergütungshöhe eines Vermittlers abhängt.

A) Bewertungssumme

Dies ist die Summe aller über die Laufzeit des Vertrages zu zahlenden Beiträge. Die Höhe dieser hängt maßgeblich von Beitragshöhe sowie der sog. Bewertungsdauer ab. Diese Bewertungsdauer beträgt von Produktgeber zu Produktgeber 35 bis 50 Jahre und hat somit einen signifikanten Einfluss auf die Bewertungssumme.

B) Abschlussprovision

Die Höhe der Abschlussprovision (oder Courtage) wird in Promille (%o) ausgedrückt und ist für Vermittler Verhandlungssache. Je nach Vermittlungsvolumen und Qualität des Geschäfts (messbar über die Quote der stornierten Verträge) erhalten Vermittler zwischen 40%o und 55%o in Abhängigkeit von der Bewertungssumme als Abschlussprovision ausgezahlt.

C) Bestandsprovision

Die Höhe der laufenden Bestandsprovision bemisst sich meistens am laufenden Beitrag , in einigen Sonderfällen am Vertragsguthaben. Üblich sind zwischen 1% und 2% des laufenden Beitrages oder bis zu 1% des Vertragsguthabens ab dem 2. Versicherungsjahr. Die meisten Mitarbeiter in Strukturvertrieben oder der Ausschließlichkeit erhalten keine Bestandsprovisionen in der Lebensversicherung – was natürlich nichts daran ändert, dass eine solche vorhanden ist.

D) Untergeordnete Faktoren

Ein paar eher unwichtige Faktoren sind des weiteren die Höhe der Stornoreserve, ein eventueller Beitrag für die Vertrauensschadenhaftpflicht sowie die vereinbarte Stornohaftungszeit der Produkte (i.d.R. 60 Monate).

Fallbeispiele:

Der Vermittler hat mehrere Alternativen parat:

Anbieter X hat eine maximale Bewertungsdauer von 35 Jahren, zahlt 40%o als Abschlussprovision und 1% des laufenden Beitrages als Bestandsprovision.
Anbieter Y hat eine maximale Bewertungsdauer von 45 Jahren, zahlt 50%o als Abschlussprovision und 1,5% des laufenden Beitrages als Bestandsprovision.
Anbieter Z hat eine maximale Bewertungsdauer von 40 Jahren, zahlt 55% als Abschlussprovision und 2% des laufenden Beitrages als Bestandsprovision.

Nun sind für diese Woche 3 Termine bei 3 Brüdern geplant – der eine Bruder ist 20, der andere 25 und der dritte 30 Jahre alt. Alle 3 wollen für die Altersvorsorge etwas tun und jeweils 100 Euro im Monat bis zum Alter 65 sparen.

Rechenbeispiel des Vermittlers für den jüngsten Bruder: Vertragslaufzeit 45 Jahre

Anbieter X Abschluss- und Bestandsprovision gesamt: 2.208€

Anbieter Y Abschluss- und Bestandsprovsion gesamt: 3.492

Anbieter Z Abschluss- und Bestandsprovsion gesamt: 3.696€

Unterschied Anbieter X zu Z: 1.488€ oder rund 80% mehr Provision

Rechenbeispiel für den mittleren Bruder: Vertragslaufzeit 40 Jahre

Anbieter X Abschluss- und Bestandsprovsion gesamt: 2.148€

Anbieter Y Abschluss- und Bestandsprovsion gesamt: 3.102€

Anbieter Z Abschluss- und Bestandsprovsion gesamt: 3.576€

Unterschied Anbieter X zu Z: 1.428€ oder rund 65% mehr Provision

Rechenbeispiel für den ältesten Bruder: Vertragslaufzeit 35 Jahre

Anbieter X Abschluss- und Bestandsprovsion gesamt: 2.088€

Anbieter Y Abschluss- und Bestandsprovsion gesamt: 2.712€

Anbieter Z Abschluss- und Bestandsprovsion gesamt: 3.126€

Unterschied Anbieter X zu Z: 1.038€ oder rund 50% mehr Provision

Teil II) Krankenversicherung

A) Beitragshöhe

Je mehr der Kunde bei Abschluss des Vertrages bezahlt, desto höher ist die Bemessungsgrundlage für die Abschlussprovision.

B) Abschlussprovision

Die Höhe der Provision (oder Courtage) wird in MB (Monatsbeiträgen) ausgedrückt und ist für Vermittler analog wie in der Lebensversicherung Verhandlungssache. Je nach Vermittlungsvolumen und Qualität des Geschäfts (messbar über die Quote der stornierten Verträge) erhalten Vermittler zwischen 6 und in absoluten Extremfällen über 15 MB als Abschlussprovision ausgezahlt.

C) Bestandsprovision

Die Höhe der laufenden Bestandsprovision bemisst sich am laufenden Beitrag . Üblich sind zwischen 1% und 2% des laufenden Beitrages ab dem 2. Versicherungsjahr. Die meisten Mitarbeiter in Strukturvertrieben oder der Ausschließlichkeit erhalten keine Bestandsprovisionen in der Krankenversicherung – was natürlich nichts daran ändert, dass eine solche vorhanden ist.

D) Untergeordnete Faktoren

Ein paar eher unwichtige Faktoren sind analog der Lebensversicherung die Höhe der Stornoreserve, ein eventueller Beitrag für die Vertrauensschadenhaftpflicht sowie die vereinbarte Stornohaftungszeit der Produkte (i.d.R. 12 Monate).

Fallbeispiele:

Der Vermittler hat mehrere Alternativen (wir unterstellen – trotz Praxisferne – den gleichen Tarifbeitrag) parat:

Anbieter X zahlt 6 MB als Abschlussprovision, 1 MB für private Pflegepflichtversicherung (PVN) und 1% des laufenden Beitrages als Bestandsprovision.
Anbieter Y zahlt 8 MB als Abschlussprovision, 1,5 MB für private Pflegepflichtversicherung (PVN) und 1,5% des laufenden Beitrages als Bestandsprovision.
Anbieter Z zahlt 14 MB als Abschlussprovision, 2 MB für private Pflegepflichtversicherung (PVN) und 2% des laufenden Beitrages als Bestandsprovision.
Anbieter K (gesetzliche Krankenkasse) zahlt 75€ als Aufwandsentschädigung falls der Vermittler dem Kunden lediglich zum Kassen- statt Systemwechsel raten sollte.

Es ist für diese Woche nun ein Termin mit einem 30jährigen ledigen Selbstständigen geplant, der eine Beratung bzgl. Wechsel von der GKV in die PKV wünscht. Bisher zahlt dieser monatlich 600€ für die gesetzliche Krankenkasse und wünscht keine Ersparnis sondern bessere Leistungen zu einem ähnlichen Beitrag. Der Beitrag von 600€ der PKV setzt sich aus den folgenden beispielhaften Komponenten zusammen: 500€ Tarifbeitrag, 50€ gesetzlicher Zuschlag (GZ – provisionsneutral), 20€ Krankentagegeld (KT) und 30€ private Pflegepflichtversicherung (PVN) und wir unterstellen absolute Beitragsstabilität.

Rechenbeispiel:

Anbieter X Abschluss- und Bestandsprovsion gesamt: 6.831,60€

Anbieter Y Abschluss- und Bestandsprovsion gesamt: 9.727,40€

Anbieter Z Abschluss- und Bestandsprovsion gesamt: 14.703,20€

Anbieter K Abschluss- und Bestandsprovsion gesamt: 75€

Unterschied Anbieter X zu Z: 7.871,60€ oder rund 115% mehr Provision
Unterschied Anbieter K zu X: 6.756,60€ oder rund 900% mehr Provision
Unterschied Anbieter K zu Z: 14.628,20 oder rund 1.950% mehr Provision

Teil III) Fazit und konkrete Lösungsansätze

Wie man eindrucksvoll sieht, ist der Vermittler bereits bei der Produktauswahl massiven Interessenskonflikten ausgesetzt – die Versuchung ist groß, am Kundenbedarf vorbei zu verkaufen und für Produktgeber ist es ein Leichtes, Vertriebssteuerung über die Höhe der Vergütung zu betreiben. Auch wenn ein seriöser Vermittler immer im Interesse des Kunden handeln wird, so darf dieser Punkt nicht unterschätzt werden. Das perfide an dieser Praxis ist, dass die Provisionshöhe für jeden Vermittler je nach Umsatzvolumen verhandelt wird und in den o.g. Beispielen ist es sehr wahrscheinlich, dass Anbieter X ähnliche (wenn nicht die gleichen) Vertriebskosten wie Anbieter Z einkalkuliert und vergütet – nur eben nicht an diesen Vermittler. Ein beliebtes Instrument zur Vertriebssteuerung sind ebenfalls etwaige “Sonderboni”, die für bestimmte Ziele (=meistens Umsatzvolumen), Produkte oder Zeiträume ausgelobt werden.

Es muss sowohl auf Seiten der Produktgeber, der Vermittler als auch der Verbraucher ein Umdenken stattfinden. Bei der Mehrzahl der heutigen Finanz- und Versicherungsprodukte fressen die Kosten entweder den Großteil der erwirtschafteten Rendite (Lebensversicherung) oder sorgen teilweise für unkontrollierbare Beitragssteigerungen (Krankenversicherung).  Unbestritten ist und bleibt dabei, dass Arbeit bezahlt werden muss. Gute Beratung und Betreuung (in den o.g. Beispielen sind es je nach Aufwand zwischen 10 und 20 Stunden Beratung vor Abschluss sowie 1 bis 3 Stunden Betreuung jährlich) kostet Geld und sollte auch dementsprechend vergütet werden – woran es jedoch derzeit eklatant hapert, ist die Transparenz.

Lösungsansätze:

1. Gesetzliche Pflicht aller Produktgeber zur Kalkulation von Produkten ohne Vertriebskostenanteile (sogenannte Nettotarife)
2. Verbindliche Höchstgrenzen für Kostenanteile in allen Sparten sowie ein Verbot der Sonderboni – als Selbstverpflichtung der Branche oder gesetzliche Regelung
3. Einführung einer Gebührenordnung für Finanz- und Versicherungsberatung auf Honorarbasis nach dem Vorbild des RVGs
4. Zusammenführung der §§ 34d und 34e GewO

Mit freundlichen Empfehlungen
Wladimir Simonov
Ihr Honorarberater

Interessante Links zum Thema:

Artikel von Herbert Fromme (FTD) bzgl. der Provisionsexzessen in der PKV

und der Leitartikel dazu

Artikel von Matthias Helberg bzgl. Provisionen, Courtagen, Honorar und Bezahlung der Beratung an sich

Jan 20

Allianz will Vorreiter bei Transparenz der Kosten werden

Die Allianz setzt mit dem Ausweis einer neuen Gesamtkostenquote für ihre Lebensversicherungsprodukte ein Zeichen für mehr Transparenz. Anhand der Gesamtkostenquote, die neben den laufenden Kosten auch die Abschluss- und Vertriebskosten, bei fondsgebundenen Produkten auch die Fondskosten, beinhaltet, können die Kunden auf einen Blick erkennen, wie die Kosten ihres Versicherungsvertrages die Rendite beeinflussen.
Allianz Deutschland AG
Berlin, 19.01.2011
Maximilian Zimmerer, Vorstandsvorsitzender der Allianz Leben, erklärte bei der Vorstellung der Transparenzinitiative in Berlin: “Wir streben eine klare und leicht verständliche Information zu unseren Produkten an. Hierzu gehört auch die Darstellung der Kosten in einer Form, die einerseits den Einfluss auf die Wertentwicklung aufzeigt, andererseits einen Vergleich mit anderen Angeboten von Wettbewerbern ermöglicht.” Damit gehe die Allianz den bereits eingeschlagenen Weg zu mehr Transparenz konsequent weiter und stärke das Vertrauen ihrer Kunden in die Leistungsfähigkeit ihrer Angebote. “Neben Garantien, der Flexibilität, der Finanzstärke des Unternehmens, der Kompetenz in der Kapitalanlage und der Beratungsqualität kann die Kostentransparenz ein wichtiges Kriterium für den Kunden sein, sich für ein Produkt zu entscheiden”, sagte Zimmerer.
Der Vorstandschef erinnerte in diesem Zusammenhang an die 2008 auch von der Allianz umgesetzte VVG-Informationspflichtenverordnung (VVG-InfoV). Sie hatte den Versicherern vorgeschrieben, die Abschluss- und Vertriebskosten sowie die laufenden Kosten der Versicherung in Euro und Cent auszuweisen. Der VVG-Kostenausweis habe nur bedingt mehr Transparenz und für den Verbraucher bessere Vergleichsmöglichkeiten geschaffen. Die Kosten fielen zu unterschiedlichen Zeitpunkten an. Auch sei die Berechnungsgrundlage je nach Produkt und Anbieter unterschiedlich. Der Euro-Ausweis reiche daher nicht aus, um den Einfluss der Kosten auf die Rendite der Produkte einzuschätzen. “Die Gesamtkostenquote bringt für den Kunden eine deutliche Verbesserung. Wir zeigen in einer Kennziffer, um wie viel sich die jährliche Wertentwicklung eines Versicherungsvertrages durch Kosten reduziert”, sagte Zimmerer. In der Gesamtkostenquote werden Abschluss- und Vertriebskosten, laufende Kosten und bei fondsgebundenen Produkten auch die Fondskosten berücksichtigt.
Mit der Transparenzinitiative will die Allianz eine Vorreiterrolle im Markt einnehmen. Bei kapitalmarktnahen Produkten wird nicht nur eine Gesamtkostenquote genannt, sondern es werden auch neue Modellrechnungen sowie die Rückvergütungen aus fondsgebundenen Lebensversicherungen gezeigt. “Je mehr Anbieter die Neuerungen umsetzen, desto stärker profitieren Kunden und Vermittler davon, unterschiedliche Produkte einfach miteinander vergleichen zu können”, so Zimmerer.
Gesamtkostenquote und Wertentwicklung vor Kosten gehören zusammen
Zusammen mit der Gesamtkostenquote wird stets angegeben, wie sich die Altersvorsorge vor Berücksichtigung der Kosten entwickeln könnte. Denn die Kostenquote allein gibt noch keine abschließende Auskunft darüber, wie leistungsfähig ein Versicherungsangebot ist. “Der Kunde muss sich immer überlegen, von welcher Wertentwicklung vor Kosten sinnvollerweise auszugehen ist. Erst wenn man die Wertentwicklung vor Kosten um die Gesamtkostenquote reduziert, sieht man, was unterm Strich übrig bleibt. Vergleicht man die Wertentwicklung nach Kosten, zeigt sich gerade im Hinblick auf die aktuell niedrigen Kapitalmarktzinsen, wie attraktiv die von uns angebotenen Altersvorsorge-Verträge sind”, sagte Zimmerer.
Bei der klassischen Lebensversicherung entspricht die unterstellte Wertentwicklung vor Kosten der aktuellen gesamten Verzinsung (Überschussbeteiligung), die zum Beispiel bei einer Allianz RiesterRente Klassik mit 30-jähriger Laufzeit im Januar 2011 bei rund 4,8 Prozent liegt. Für diesen Vertrag, in den der Kunde bis zum 67. Lebensjahr jährlich 1.200 Euro einbezahlt, liegt die Gesamtkostenquote in der Ansparphase bei 1,1 Prozent. Die mögliche jährliche Wertentwicklung nach Kosten erreicht damit 3,7 Prozent. Wählt der Kunde mit 67 Jahren die Rente, liegt die Gesamtkostenquote für die gesamte Vertragslaufzeit einschließlich der durchschnittlichen Rentenphase bei nur 0,8 Prozent.
Mehr Transparenz in den Modellrechnungen für kapitalmarktnahe Produkte
Da die Gesamtkostenquote nur in Verbindung mit einer Angabe der möglichen Wertentwicklung vor Kosten aussagekräftig ist, ändert die Allianz bei kapitalmarktnahen Produkten wie der fondsgebundenen Rentenversicherung zudem die Modellrechnungen: Die beispielhaft angenommenen Wertentwicklungen werden künftig vor Kosten ausgewiesen, d.h. auch Fondskosten sind künftig explizit in den Modellrechnungen mindernd berücksichtigt. Bislang wurden die Wertentwicklungen entsprechend den handelsüblichen Regeln bei Fondssparplänen ohne gesonderten Abzug der Fondskosten angegeben.
Statt den bisher drei Wertentwicklungsszenarien mit drei, sechs und neun Prozent kann ein Kunde bei den kapitalmarktnahen Produkten der Allianz außerdem künftig anhand von sechs beispielhaften Angaben auf einer Skala von null bis zehn Prozent sehen, wie sich seine Police entwickeln könnte. “Diese breitere Darstellung hilft, Missverständnisse bei unseren Kunden zu vermeiden. Wir machen deutlich, dass die genannten Gesamtleistungen keine verbindliche Prognose sein können”, erläuterte Zimmerer.
Mehr Transparenz bei Rückvergütungen
Die Allianz geht 2011 mit neu gestalteten fondsgebundenen Rentenversicherungen (Allianz Invest, Allianz Invest alpha-Balance) an den Start. Bei diesen neuen Produkten werden etwaige Rückvergütungen aus den Fonds nicht nur der Höhe nach ausgewiesen, sondern auch an den Kunden weitergegeben. Des Weiteren wird die Allianz TopFondsPalette für die neue fondgebundene Rentenversicherung unter anderem um kostengünstige Exchange-Traded Funds (ETFs) erweitert.
Maximilian Zimmerer zeigte sich überzeugt, dass die Lebensversicherung durch die verbesserte Transparenz zusätzlich an Attraktivität gewinnen werde: “In Anbetracht der stetig steigenden Lebenserwartung ist eine ergänzende Absicherung eines lebenslangen Alterseinkommens unerlässlich. Unsere Kunden erhalten mit der Allianz Rentenversicherung ein transparentes Produkt zu einem angemessenen Preis. Es ist zudem flexibel und renditestark.”

Im Vergleich zu anderen Anlageformen weise die klassische Lebensversicherung bei hoher Sicherheit eine attraktive Rendite auch nach Kosten auf. Während zum Beispiel Aktienfonds in den letzten zehn Jahren wegen zweier Aktienmarktcrashs 2001/2002 und 2008 oft Negativrenditen aufwiesen, hätten Lebensversicherungen über eine Laufzeit von zwölf Jahren im Branchenschnitt nach Kosten eine Verzinsung von rund 4 Prozent erzielt. “Die Lebensversicherung hat sich sehr gut geschlagen, und sie wird auch in Zukunft eine gute Kombination aus Sicherheit und Rendite bieten”, machte Zimmerer deutlich. Angesichts der Situation an den Kapitalmärkten nach der Finanzkrise und dem aktuell niedrigen Zinsniveau müssten sich die Kunden bei jeder Anlageform auf niedrigere Renditen einstellen. “Etwas mehr Realitätssinn tut uns allen gut. Dies bei jedem Kundengespräch offen anzusprechen, gehört sicher auch zur Transparenz”, sagte Zimmerer.

Quelle: Allianz
Weitere Berichte: Bocquel, FTD

Ich bin schon sehr gespannt! Bisher hat sich ja die Finanz- und Versicherungsbranche bei diesem Thema nicht sonderlich mit Ruhm bekleckert… ;-)

Mit freundlichen Empfehlungen
Wladimir Simonov
Ihr Honorarberater

Jan 11

Fernsehtipp: Der Drückerkönig und die Politik

Mittwoch, der 12.01.2011 um 21.45 Uhr auf ARD

Die schillernde Karriere des Carsten Maschmeyer

Film von Kristopher Sell und Johannes Edelhoff
Er kennt sie alle – die Großen und Mächtigen in diesem Land. Bundespräsident Christian Wulff macht Urlaub in seiner Villa auf Mallorca, Altbundeskanzler Gerhard Schröder nennt ihn einen “Freund” und Familienministerin Köhler lässt sich von seinem Unternehmen beraten.
Dass ausgerechnet der Gründer des umstrittenen Finanzdienstleisters AWD, Carsten Maschmeyer, ein enger Freund der Spitzen unserer Gesellschaft ist, macht seine Opfer fassungslos. Der AWD hatte vielen Kleinanlegern, die ihren Lebensabend finanziell absichern wollten, sogenannte Schrottimmobilien und Geschlossene Fonds verkauft, die längst nicht das brachten, was versprochen worden war. So klagen ungezählte Anleger über den Verlust ihrer gesamten Ersparnisse. Der NDR-Reporter Christoph Lütgert hat die AWD-Opfer besucht. Zu ihnen gehören auch ehemalige AWD-Finanzberater, die sich das ganz schnelle und große Geld versprachen und heute genauso armselig dastehen wie ihre früheren Kunden.
Lütgert versucht herauszufinden, warum ein Mensch wie Carsten Maschmeyer eine solch hohe Anziehungskraft auf Politiker ausübt, die sogenannte “Hannover-Clique” ist bereits zum feststehenden Begriff geworden. Mehrere Politiker bzw. Ex-Politiker äußern sich zu ihrem Verhältnis zu Maschmeyer – nur der AWD-Gründer selber weigert sich monatelang, ein Interview zu geben. Dann gelingt es Lütgert, mit ihm zu sprechen. Ein Film über Freund- bzw. Seilschaften – und mögliche Interessenskonflikte…

Quelle: ARD

Anscheinend passt das Carsten Maschmeyer nicht so ganz und das lässt wohl darauf schließen, dass die Doku ein paar unangenehme Wahrheiten ans Licht bringt. Nebenbei bemerkt ist das für mich übringens ein klarer Fall von Streisand-Effekt. ;-)

Mit freundlichen Empfehlungen
Wladimir Simonov
Ihr Honorarberater

Jan 07

Polizeibeamter durch E-Mail dienstunfähig

Die E-Mail kam vom Chef und hatte angeblich erstaunliche Folgen: Ein Foto im Anhang schockierte einen Kommissar aus NRW nach eigenen Angaben so sehr, dass er “nachhaltig traumatisiert” und arbeitsunfähig wurde. Ein Verwaltungsgericht hat den Vorgang nun anerkannt - als Dienstunfall.

Düsseldorf – Die Geschichte klingt skurril: Der Anhang einer E-Mail führte bei einem Polizisten zu einer psychiatrischen Erkrankung. Und das gilt als Dienstunfall, wie das Verwaltungsgericht Düsseldorf entschieden hat.

Januar 2003 am Niederrhein, in einer Polizeiwache in Wesel: Ein Polizeihauptkommissar verschickt eine E-Mail an seine Kollegen. Erst einmal geschieht nichts, mehr als zweieinhalb Jahre lang. Bis ein Kommissar derselben Dienststelle am 28. September 2005 sein Postfach aufräumt – und dabei auf die E-Mail seines direkten Vorgesetzten stößt.

Die Nachricht trägt die harmlose Betreffzeile “WG: Highlight zum Wochenende!!”. Der Polizist öffnet sie – und die Powerpoint-Präsentation mit dem Titel “perfektesdate1.pps” im Anhang. Es ist ein Scherz, wie er auf ähnliche Weise täglich hundertfach in Büros gemacht wird. Seine Folgen sind außergewöhnlich.

Die Powerpoint-Präsentation beginnt laut Urteil (Az: 23 K 5235/07) “mit der Darstellung einer unbekleideten Frau an einem Sportwagen”. Der Polizist klickt sich bis zum letzten Bild durch: “der Abbildung des Unterleibs einer weiblichen Person mit eitrigen, blutigen Wunden”.

“Nachhaltig traumatisiert”

Für den Kommissar ist das offenbar zu viel: Die E-Mail verursacht dem Urteil zufolge eine “psychiatrische Erkrankung, Zwangsstörung und Zwangsvorstellungen”. Das Bild des “weiblichen Geschlechtsorgans mit umfangreichen Hautekzemen” habe ihn den Rest des Tages über verfolgt – und auch in der Folgezeit. Es sei ihm nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Er begibt sich nach einiger Zeit in ärztliche Behandlung, klagt vor dem Verwaltungsgericht, den Vorfall als Dienstunfall anzuerkennen.

Der Polizist, 39, gibt an, “nachhaltig traumatisiert” sowie auf psychologische und psychiatrische Hilfe angewiesen zu sein. Dem Land Nordrhein-Westfalen (NRW), gegen das die Klage gerichtet ist, wirft er vor, eine “gravierende dienstliche Verfehlung und deren schwerwiegende Folgen” zu verharmlosen. Die Staatsanwaltschaft hat zwischenzeitlich ein Verfahren gegen den Verfasser der E-Mail wegen Beleidigung und fahrlässiger Körperverletzung eingestellt – mangels Anfangsverdachts. Auch ein Disziplinarverfahren gegen den Hauptkommissar wurde eingestellt.

Die schlüpfrige E-Mail hat auch Folgen für die Ehe des Klägers: “Seine Gedanken hätten damals um die Frage gekreist, ob bei seiner Ehefrau ähnliche Symptome vorliegen könnten, was ihn in seinem Sexualleben derart gestört habe, dass es letztlich (…) zur Ehescheidung gekommen sei.”

Weitere Klage droht

Bei seiner Entscheidung stützt sich der zuständige Richter vor allem auf ein Sachverständigengutachten. Darin heißt es unter anderem: Der Polizist habe auch im Jahr 2009 noch erlebt, dass “ihn beim intimen Kontakt mit einer Frau die Zwangsvorstellung mit dem Bild aus der E-Mail überfalle und er dann tatsächlich nachschauen müsse, ob sie nicht in einer ähnlichen Weise von einer Krankheit oder einem vergleichbaren Zustand befallen sei”.

Der Landrat von Wesel, auch Chef der Kreispolizeibehörde, schafft es nicht, das Gericht davon zu überzeugen, dass die E-Mail als Ursache für eine psychische Erkrankung des Polizisten “nicht nachvollziehbar” sei und “jeder Lebenserfahrung” widerspreche. Für den Landrat ist zudem unverständlich, dass der Polizist sich nicht schneller in ärztliche Behandlung begeben und den Vorgang erst im Juni 2006 als Dienstunfall gemeldet habe.

Der Richter sieht das anders: Das Land NRW muss dem Urteil zufolge nun für Behandlungskosten und Spätfolgen haften. Zudem droht möglicherweise die nächste Klage. Der Polizist will laut Gerichtsunterlagen “gegebenenfalls Schadensersatz geltend machen” – weil die Geschehnisse Karrierenachteile für ihn zur Folge gehabt hätten.

Mittlerweile ist er nicht mehr in Wesel. Den Angaben eines örtlichen Polizeisprechers zufolge hat er sich auf eigenen Wunsch versetzen lassen – in eine andere Polizeibehörde.

Quelle: SPON
Mit Dank an Lawblog
Volltext des Urteils und die PowerPoint-Präsentation (entschärft) finden Sie: hier

Jan 06

Fehlende Haftpflicht- und Hausratversicherung gefährden Existenz

Nichts ist seit dem ersten Weihnachtsfeiertag für die 6-köpfige Familie Batu aus Geisenhausen mehr wie zuvor. Denn durch ein dummes Missgeschick haben sie alles verloren: ihr Heim, ihre Möbel, ihre Erinnerungen.

„Am 25. Dezember haben wir Freunde am Tegernsee besucht.  Mein Sohn Volkan ist zu Hause geblieben. Er hat ein paar Zigaretten geraucht und dann den Aschenbecher im Papierkorb ausgeleert, bevor  er die Wohnung verlassen hat,“ erinnert sich der Vater, Erzan Batu. Ein folgenschwerer Fehler, wie sich herausstellt, denn kurz nach Mitternacht bemerkt ein Hausbewohner des Mehrparteienhauses an der Frontenhausener Straße Rauch im Treppenhaus und verständigt die Feuerwehr. „Bald darauf sind auch wir von einem Freund angerufen worden, dass unsere Wohnung brennt. Und dass sich Volkan anscheinend noch immer darin befindet.“ Getrieben von Angst und Sorge fährt der 45-jährige Familienvater sofort zurück nach Geisenhausen.

„Ich war ungeheuer erleichtert, als ich meinen Sohn lebend vor mir stehen gesehen habe,“ so Erzan Batu. Der 18-Jährige Volkan steht zunächst unter Schock, als er sieht, was sich vor der elterlichen Wohnung abspielt: „Alles hat geraucht, Sanka und Feuerwehr waren da, es war schrecklich.“ Vier Personen erleiden eine Rauchvergiftung. „Von unserer Wohnung war nichts mehr zu retten.“ Erst am übernächsten Tag darf die Familie ihr einstiges Heim besichtigen: „Alles war voll von dem beißenden Rauchgeruch. Ob Möbel, Kleider oder Dokumente: Alles kaputt. Es war die Hölle, es war der  Weltuntergang“, so die Familie. Alles was sich einst auf den 122 Quadratmetern befunden hat, ist verbrannt. Liebevolle Dekorationen, Fotos an der Wand, Stofftiere der Kinder: Alles ist den Flammen zum Opfer gefallen, egal ob es sich um Spiel- oder Schulsachen, Gewand, Möbel, Dokumente oder Erinnerungen der Kinder Yasin (13), Yudum (15), Vokan (18) Damla (22)  sowie dem Elternpaar Erzan und Nermin handelt. Mutter Nermin erleidet nach der Besichtigung einen Nervenzusammenbruch, wird krank. Wie es jetzt weitergehen soll, weiß Vater Erzan Batu nicht. „Fünf Wochen wird es mindestens dauern, bis die Wohnung wieder bezugsfertig ist.“ Wie er die Renovierungsarbeiten bezahlen soll, weiß der Alleinverdiener, der in der Logistik bei BMW arbeitet nicht. Ebensowenig „wo ich Betten, Matratzen, eine Küche, etc. herbekommen soll.“ Die Familie ist nicht versichert, die Verzweifelung ist groß.
Im Moment sind die einzelnen Familienmitglieder noch auf Freunde verteilt: „Und das zerreißt mir am meisten das Herz. Dass wir nicht mehr als Familie um einen Tisch sitzen können, das gemeinsam durchstehen können“, so Erzan Batu, während er hustend durch die leergeräumte, bestialisch nach Rauch stinkende Wohnung geht. „Hier waren wir sehr glücklich.“ Ob das je wieder der Fall sein wird, steht noch in den Sternen. Wer der Familie mit Möbel-, Kleiderspenden oder ähnlichem weiterhelfen möchte, kann dies unter Telefon 0176/80263894 bekannt geben.

Quelle: Wochenblatt

Nachtrag 07.01.2011: Natürlich ist nicht nur die fehlende Haftpflichtversicherung sondern auch die fehlende Hausratversicherung existenzbedrohend. Die Haftpflicht hätte die verschuldeten Sachschäden an der Wohnung sowie am Gebäude und die entstandenen Personenschäden (in diesem Fall die Behandlungs- und Folgekosten der Rauchvergiftungen) ersetzt – die Hausratversicherung hingegen den Schaden an der eigenen Einrichtung, Bekleidung, etc. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Klausel “Verzicht auf Einwand der groben Fahrlässigkeit” in der Hausratversicherung.

Vielen Dank an Matthias Helberg für den freundlichen Hinweis via Twitter!

Jan 04

Grenzen der BU-Beratung

Sehr geehrte Damen und Herren,

ab und zu stößt jeder Berater und somit auch der ein oder andere Kunde an die Grenzen der Theorie der perfekten Absicherung aller in der Praxis möglichen Szenarien. Hier ist so ein Fall auf den ich in einem Internetforum gestoßen bin:

Leistungsfall BU
Hier kann man einem Kunden als Berater nicht mehr helfen und es gilt das “gute” alte lateinische Zitat

Coram iudice et in alto mari sumus in manu Dei – Vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand

Doch was kann man schon im Vorfeld unternehmen, um so einem Ärgernis vorzubeugen?

1. Einer der häufigsten Gründe für ein Gerichtsverfahren ist die sog. Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht. Achten Sie daher schon bei der Antragsaufnahme sehr genau darauf, alle Krankheiten, Beschwerden, Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte und verschriebene Medikamente anzugeben. Lassen Sie sich Zeit, prüfen Sie Ihre Aufzeichnungen, konsultieren Sie Ihren Hausarzt wenn Sie sich unsicher sind. Dieser ist gem. Berufsordnung für Ärzte nämlich verpflichtet, auf Verlangen Einsicht in die Krankenunterlagen zu gewähren sowie auch eine Kopie gegen die Erstattung der Kosten (i.d.R. verlangen die Ärzte gar nichts – in Einzelfällen zwischen 5 und 20€) herauszugeben. Lassen Sie sich vom Vermittler keinesfalls dazu verleiten, Ihre Beschwerden zu verschweigen oder zu verharmlosen, prüfen Sie VOR Unterschrift, ob alle Angaben auch richtig aufgenommen wurden. Falls Sie vor dem Vermittler keine Angaben zu Ihrer Gesundheit machen möchten, so lassen Sie das auf dem Antrag vermerken und reichen die Auskünfte in Schriftform innerhalb von 14 Tagen direkt bei der Versicherungsgesellschaft nach.

2. Achten Sie bei der Beratung und dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung unbedingt auf den kritischen Punkt KT-BU-Übergang. In so einem Fall wie dem o.g. ist diese Klausel mehrere Tausend Euro und einiges an Stoff des berühmt-berüchtigten Nervenkostüms wert. Es ist übrigens eine weit verbreitete irrige Annahme, dass man dieser “Falle” entgehen kann, indem man Krankentagegeld und Berufsunfähigkeit bei dem “selben” Versicherer (also BU bei der Lebensversicherungstochter und KT bei der Krankenversicherungstochter) hat. Dies ist nur in den seltensten Fällen und Konstellationen gegeben.

3. Prüfen Sie vor Abschluss einer bedarfsgerechten (und unbedingt empfehlenswerten) Berufsunfähigkeitsrente dringend, ob nicht auch eine sog. Schwere Krankheiten – auch Dread Disease genannt – Police für Sie und Ihre individuelle Situation als Ergänzung passend ist. Diese Versicherungsart hätte in dem beschriebenen Fall nämlich auch gegriffen und innerhalb kürzester Zeit nach der Diagnose des Schlaganfalls die Versicherungsleistung (i.d.R. eine Einmalzahlung) ausgezahlt.

4. Last but not least wäre VOR dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung der Abschluss einer Rechtsschutzpolice inkl. der Klausel “Rechtsschutz im Vertrags- und Sachenrecht” empfehlenswert und sinnvoll.

Mit freundlichen Empfehlungen
Wladimir Simonov
Ihr Honorarberater

Dez 21

Einlagensicherungsfonds – wie “sicher” ist sicher?

Sehr geehrte Damen und Herren,

neulich erreichte mich ein sehr interessantes Gerichtsurteil, dessen Inhalt für jeden von Ihnen von Bedeutung ist.

Die 10. Zivilkammer des Landgerichts Berlin entschied bereits im Juni 2010 (Aktenzeichen 10 O 360/09) nämlich, dass für Bankkunden grundsätzlich kein Rechtsanspruch auf Leistungen aus dem Einlagensicherungsfonds der privaten Banken besteht.

Geklagt hatte eine Filmfondsgesellschaft auf Entschädigung ihrer Forderungen i.H.v. rund 27,3 Mio € gegen die Bank Lehman Brothers, die Mitglied des Bundesverbandes deutscher Banken e.V. (BdB) war. Wie Sie sich bestimmt erinnern, war der Zusammenbruch eben dieser amerikanischer Bank praktisch der Beginn der bis heute anhaltenden weltweiten Finanzkrise.

Doch wie kann das sein? Banken werben doch immer mit der Einlagensicherung? Man findet die folgende Kurzerklärung auf der Homepage des BdB:

Der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken schützt die Guthaben von Kunden bei den privaten Banken in Deutschland. Dieser Schutz umfasst alle „Nichtbankeneinlagen“, also die Guthaben von Privatpersonen, Wirtschaftsunternehmen und öffentlichen Stellen. Bei den geschützten Einlagen handelt es sich im Wesentlichen um Sicht-, Termin- und Spareinlagen und auf den Namen lautende Sparbriefe. Verbindlichkeiten, über die eine Bank Inhaberpapiere ausgestellt hat, wie zum Beispiel Inhaberschuldverschreibungen und Inhabereinlagenzertifikate, werden dagegen nicht geschützt.

1. Wie arbeitet der Einlagensicherungsfonds?
Der Einlagensicherungsfonds erhebt bei seinen Mitgliedern eine regelmäßige jährliche Umlage, durch die er sich finanziert. Kommt es zu einem Entschädigungsfall, werden die Einlagen, also die Kundengelder, durch den Fonds zurückbezahlt. Der Fonds tritt dafür anstelle der Kunden im Insolvenzverfahren der Bank auf. Da die Insolvenzquoten bei Banken in der Regel relativ hoch sind, bekommt der Fonds einen Teil seiner Entschädigungsleistungen zurück.

2. Wie hoch sind die Sicherungsgrenzen?
Einlagen von Privatpersonen, Personengesellschaften und kleinen Kapitalgesellschaften bis zu einer Höhe von maximal 50.000 € deckt die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (EdB) ab. Gemäß Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (EAEG) gehören deutsche Banken, welche das Einlagengeschäft in privater Rechtsform betreiben, der Entschädigungseinrichtung qua Gesetz an.

Darüber hinaus können die privaten Banken freiwillig im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken e.V. mitwirken. Der Schutz des Einlagensicherungsfonds beginnt dort, wo die Sicherung der EdB aufhört. Er übernimmt im Falle der Insolvenz eines mitwirkenden Institutes die Einlagenteile, welche die 50.000 Euro-Grenze übersteigen, bis zur jeweiligen Sicherungsgrenze. Der Einlagensicherungsfonds schützt alle „Nichtbankeneinlagen“, also auch die Guthaben von Wirtschaftsunternehmen und öffentlichen Stellen.

Die Sicherungsgrenze entspricht 30 % des haftenden Eigenkapitals. Das Mindesteigenkapital einer Bank liegt in Deutschland bei 5 Mio €. In diesem Fall wären also bereits pro Anleger 1,5 Mio € geschützt. Abweichend hiervon beträgt die Sicherungsgrenze für neu aufgenommene Institute bis zum Ende des dritten vollen Kalenderjahres ihrer Mitwirkung am Einlagensicherungsfonds grundsätzlich nur 250.000 €. Die Sicherungsgrenzen der einzelnen Banken können im Internet abgerufen werden.

9. Warum besteht kein Rechtsanspruch auf Entschädigung?
Dies hat praktische Gründe. Gäbe es einen Rechtsanspruch, wäre der Fonds eine Versicherung. Es fiele unter anderem Versicherungssteuer an und das Verfahren würde nicht nur komplizierter, sondern auch teurer. Deshalb hat der Bankenverband bei Gründung des Fonds – in enger Abstimmung mit dem Bundesfinanzministerium und der zuständigen Aufsicht – darauf verzichtet, einen Rechtsanspruch festzuschreiben.

Diese und andere Regelungen findet man dann niedergeschrieben im Statut des Einlagensicherungsfonds.

Rechtsexperten sind sich weitgehend einig, dass es sich in dem o.g. Fall zwar nicht um Einlagen, die durch den Einlagensicherungsfonds abgesichert sind, handelt – jedoch sollte die Urteilsbegründung dem Bankenverband ein paar Kopfschmerzen bereiten, weil diese den o.g. Sachverhalt quasi publik macht und das eh schon angeschlagene Vertrauen der Kunden weiter zerstört.

Meine Meinung: Die privaten Banken haben sich unter dem Vorwand einer Kostenersparnis eine Hintertür eingebaut, um im Fall der Fälle doch nicht leisten zu müssen. Rechtsanwälte sollten sich eventuell mal die Angaben auf den jeweiligen Homepages der Banken unter dem Gesichtspunkt der irreführenden Werbung anschauen – hier ein kleiner beispielhafter Ausschnitt:

Einlagensicherung Commerzbank

Einlagensicherung Deutsche Bank

Einlagesicherung ING-DiBa

Einlagensicherung HVB

Einlagensicherung Postbank

Einlagensicherung TARGOBANK (ehemals Citibank)
In den nächsten Tagen werde ich im Rahmen der MEHR.WERT.FAIR. Transparenz eine Übersicht aller Einlagensicherungsmechanismen in Deutschland ausarbeiten sowie Lösungen für Kunden aufzeigen, die ihr Geld wirklich SICHER anlegen wollen.

Mit freundlichen Empfehlungen
Wladimir Simonov
Ihr Honorarberater

rlin 10. Zivilkammer
Entscheidungsdatum: 15.06.2010
Aktenzeichen: 10 O 360/09

Dez 16

Krankenversicherungsvergleich – SO bitte nicht!!

Sehr geehrte Damen und Herren,

schon oft habe ich darüber geschrieben, worauf es bei der Beratung zur privaten Krankenversicherung ankommt. Die Tage ist mir mal wieder ein herausragendes Negativbeispiel ins Haus geflattert…

Eine Kundin ist seit 2 Jahren bei Universa privat krankenversichert. Bei der damaligen Beratung wurden ihre Wünsche und Vorstellungen bzgl. Tarifleistungen sehr genau besprochen und anschließend umgesetzt. Nun ist es aber naturgemäß so, dass je länger so eine umfassende Beratung her ist, umso mehr verblasst die Fülle an Informationen, die während der Beratung empfangen wurden. Dies ist ganz normal und nicht ungewöhnlich – schließlich kann nicht jeder ein Versicherungsexperte sein.

Wenn man selbstständig ist, steht man i.d.R. im Telefonbuch und dies nutzen sehr viele Vermittler zur sog. Kaltakquise – in Fachkreisen wird das Telefonbuch deshalb scherzhaft auch als das “Große gelbe Terminbuch” bezeichnet. So einen Kaltanruf erhielt vor einigen Wochen auch meine Kundin und hat sich dann aus Interesse mal ein Vergleichsvorschlag rechnen lassen. Das Ergebnis dieser “Beratung” möchte ich Ihnen nicht vorenthalten!

Vorschlag Umdeckung
Die Kundin ist derzeit bei Universa in einem Komforttarif mit 1.300€ SB p.a. versichert – in der aktuellen Prämie ist auch ein Zuschlag für kleine gesundheitliche Beschwerden enthalten. Vorgeschlagen wird ein Einsteigertarif der Hanse Merkur Krankenversicherung mit 600€ SB p.a., der sich vom Leistungsniveau u.a. in den folgenden Punkten eklatant unterscheidet:

- Primärztregelung, dauerhafte Leistungskürzung um 20% bei Erstbehandlung durch bspw. einen Internisten oder Orthopäden (Bei Universa besteht keine solche Regelung)
- Leistung bis zu den Höchstsätzen der Gebührenordnung ambulant und stationär (Universa leistet auch darüber hinaus – ohne Bindung an die deutsche GOÄ im Ausland)
- Heilpraktikerleistungen sind nicht erstattungsfähig (Bei Universa enthalten)
- Geschlossener Hilfsmittelkatalog mit 90% Erstattung und Höchstbeträgen bei Krankenfahrstühlen von 900€ (Universa bietet einen sog. “bedingt offenen” Hilfsmittelkatalog mit 100% Erstattung ohne Höchstbeträge, besonders erwähnenswerte Leistungen: Blindenhund und offene Formulierung für lebenserhaltende Hilfsmittel)
- Ambulante psychotherapeutische Behandlung nicht mitversichert (Bei Universa enthalten)
- Voller Versicherungsschutz im außereuropäischen Ausland ohne besondere Vereinbarung lediglich für 1 Monat (Universa für mind. 3 Monate, nach 3 Jahren Versicherungszeit für mind. 3 Jahre)
- .
- ..
- …

1. Erkenntnis:

Der “enorme” Preisunterschied hat durchaus Gründe. Viele der oben beschriebenen Leistungseinschränkungen machen im Krankheitsfall den Beitragsvorteil mehr als wett. Allein der “kleine” Posten Blindenhund schlägt bereits heute mit 10.000€ – 30.000€ zu Buche, in 30 Jahren werden es inflationsbedingt ein paar € mehr sein.

Des weiteren wird die Beitragsersparnis auf rund 1.900€ p.a. beziffert und auf das 67. Lebensjahr mit 6% Wertentwicklung hochgerechnet, was rund 90.000€ entspricht. Dies ist deshalb vollkommener Schwachsinn, weil schlichtweg niemand wissen kann, ob eine Beitragsersparnis in dieser Höhe jemals eintreten wird – v.a. deshalb weil hier Äpfel mit Birnen verglichen werden!

2. Erkenntnis

Auf der einen Seite ist hier nämlich ein Komforttarif der Universa, der 1998 eingeführt wurde, annähernd alle existenziellen Risiken ausreichend abdeckt, schon einige Beitragsanpassungen erfahren hat (was positiv gesehen werden sollte) und ausreichende Zuführung zu Alterungsrückstellungen bildet. Auf der anderen Seite sieht man einen Einsteigertarif der Hanse Merkur, der 2008 eingeführt wurde, viele existenzielle Risiken NICHT abdeckt, bisher gegen den allgemeinen Trend der PKV kaum Beitragsanpassungen durchgeführt hat und zudem durch den einkalkulierten erhöhten Abgang der Versicherten in leistungsstärkere Tarife KEINE auf Dauer ausreichende Zuführung zu Alterungsrückstellungen bildet.

3. Erkenntnis

Es gibt in der PKV sog. “Einsteigertarife“. Diese haben durchaus ihre Daseinsberechtigung – als günstige Alternative für die ersten Jahre der Selbstständigkeit beispielsweise. Diese Tarife sind jedoch nicht dafür “gebaut”, auf Dauer dort versichert zu sein und sehen deshalb Optionen für eine Höherversicherung in den ersten 1-5 Jahren vor. Für Personen die auf Dauer in diesen Tarifen versichert sind, wird dies dazu führen, dass sie in Zukunft überdurchschnittliche Anpassungen erleben werden.

4. Erkenntnis

Nehmen Sie professionelle Beratung in Anspruch, bevor Sie auf solche Lockangebote hereinfallen! Schnell kann ein Wechsel der Krankenversicherung auch in die Hose gehen und Sie merken das erst, wenn es bereits zu spät ist…

Mit freundlichen Empfehlungen
Wladimir Simonov
Ihr Honorarberater für KV, BU, Altersvorsorge

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