Jul 29

DKV und Central schließen Tarife – wieso und welche Folgen hat das für die Versicherten?

Sehr geehrte Damen und Herren,

zwei der größten privaten Krankenversicherer DKV (Nr. 2) und Central (Nr. 6) haben sich entschlossen, ihre Strategie zu überdenken und keine Einsteigertarife mehr anzubieten.

Einstimmig verkünden beide Gesellschaften die Ursachen, die zu dieser Entscheidung geführt haben:

- Mangelnde Zahlungsmoral der Kunden in den Einsteigertarifen

Das ist in der PKV ein sehr wichtiger Baustein, denn selbst bei Nichtzahlung der Beiträge darf die Gesellschaft den Kunden nicht mehr kündigen und trägt immer noch das Rest-Risiko der Notfallbehandlungen, die erstattet werden müssen. Dies belastet wiederum die Versichertengemeinschaft, denn eigentlich zahlt das nicht die Gesellschaft sondern das Kollektiv und durch diese unkalkulierten/-baren Sondereinflüsse steigen kurz- oder mittelfristig die Beiträge. Durch eine aggressive Preispolitik wird genau die falsche Klientel angezogen und die Nichtzahler quasi provoziert.

- Kunden wechseln nicht in höherwertige Tarife

Einsteigertarife sind eigentlich nur für 3-5 Jahre Verweildauer kalkuliert und für einen lebenslangen Versicherungsschutz gar nicht gedacht. Zum Einen sind wichtige Leistungsbereiche wie Psychotherapie, Hilfsmittel, Heilmittel, Gebührenordnung, etc. nicht ausreichend versichert und zum Anderen werden – gewollt – nicht genug Alterungsrückstellungen gebildet sowie eine hohe Abgangswahrscheinlichkeit in Richtung höherwertiger Tarife kalkuliert. Deshalb sehen die meisten Einsteigertarife auch Optionen zur Erhöhung des Versicherungsschutzes ohne eine erneute Gesundheitsprüfung vor. Was nützen diese Optionen aber, wenn der Kunde sich a) der unzureichenden Deckung gar nicht bewusst ist  b) der Vermittler das entweder nicht weiß oder es ihm egal ist und c) beide sich über den günstigen Preis freuen, so lange der Kunde gesund ist?

- Kunden betreiben Preishopping

Manche Kunden werden durch Werbung sowie gierige und ahnungslose Vermittler jährlich dazu getrieben, ihre PKV zu wechseln. Verkauft wird mit vermeintlichen Preisvorteilen, was natürlich blanker Unsinn ist. Bei einem lebenslangen Schuldverhältnis  mit vertraglich garantiertem sowie unabänderlichem Leistungsumfang ohne Kündigungsmöglichkeit seitens des Versicherers ist der Preis die einzige Variable. Bei gleichen/ ähnlichen Leistungen auf Dauer Geld zu sparen ist NICHT möglich. Verdeutlicht wird das mit dem folgenden Beispiel:

Sie möchten in 1 Stunde baden. Deshalb drehen Sie jetzt den Wasserhahn auf und lassen sich die Badewanne volllaufen, weil Sie aus Erfahrung wissen, dass die Badewanne in genau 1 Stunde voll wird. Nach 30 Minuten dreht Ihr Nachbar den Wasserhahn auf und behauptet, dass seine exakt so große Badewanne in nur 30 Minuten auch voll sein wird. Es kommt wie es kommen musste – Sie können nach einer Stunde baden und Ihr Nachbar nicht. Um gleichzeitig mit Ihnen baden zu können, hätte er entweder eine kleinere Badewanne haben müssen (auf die Gefahr hin, dass ein paar Körperteile ungebadet blieben) oder im Laufe der Zeit Wasser nachschütten müssen.

Genau nach diesem Prinzip funktioniert auch die private Krankenversicherung. Ihre Badewanne ist der vertraglich garantierte Leistungsumfang, das Wasser ist Ihr Beitrag und die 1h symbolisiert ziemlich treffend die verbliebene Zeit bis zur Totenwäsche. Wenn nun Vermittler Kunden erzählen, sie könnten mit der gleichen oder geringeren Durchflussmenge in der halben Zeit die gleiche oder gar eine größere Badewanne befüllen, so muss man kein Sanitärexperte sein, um dies widerlegen zu können.

Welche Konsequenzen hat die Schließung eines Tarifes für den Bestand?

Mittel- bis langfristig: Keine.

Kurzfristig: Beitragsanpassung.

Erklärung: Ein PKV-Tarif (außer die unterkalkulierten o.g. Einsteigertarife) braucht kein Neugeschäft, um zu funktionieren. Im Gegensatz zum Umlageverfahren (gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung) bei dem junge und gesunde Versicherte für die alten und kranken bezahlen, zahlt jeder Kunde (jede Altesstufe) bei dem System der Kapitaldeckung (private Kranken- und Lebensversicherung) seinen Schaden selbst. Mit den o.g. Beispielbegriffen erklärt, könnte man sagen, dass Sie in der GKV für Ihre Eltern die Badewanne füllen, während Ihre Badewanne von Ihren Kindern gefüllt wird.

Wenn ein PKV-Tarif Neugeschäft bekommt, so wirkt sich das kurzfristig positiv aus, denn die neuen Kunden sind ja grundsätzlich erst einmal gesund. Eigentlich notwendige Beitragsanpassungen werden in die Zukunft verschoben – aber nicht neutralisiert! Gesellschaften mit überdurchschnittlichem Neuzugang erscheinen deshalb “beitragsstabil(-er)”, was sich aber umso schmerzhafter durch “plötzliche” Beitragssprünge zeigt, wenn das Neugeschäft wieder abflaut. Was dann folgt, ist eine leidvolle Ereigniskette, die sich in regelmäßigen Abständen immer und immer wieder wiederholt:

Kunde ist erzürnt über die plötzliche Preissteigerung. Vermittler kann oder will dies nicht erklären und bietet dem Kunden Alternativen an. Sofern der Kunde noch gesund ist, ist die “Alternative” oftmals ein Wechsel der PKV - mit den oben angeführten sinnlosen Versprechungen und unlogischen Begründungen. Der Vermittler kassiert noch einmal die Provision, die die neue PKV bereitwillig bezahlt und der Kunde ist zufrieden, bis er wieder einmal eine Beitragsanpassung kassiert, weil er versucht hat, seine Badewanne in kürzerer Zeit mit der gleichen Durchflussmenge Wasser zu füllen. In dem Ursprungstarif, der ach so “beitragsstabil” erschien so lange Neugeschäft kam, kehrt sich der Effekt nun um, während gute Risiken (= gesunde Kunden) zu anderen PKVen abwandern und die verbliebenen kranken Kunden mehr bezahlen müssen (Entmischung).

Dies wird fälschlicherweise oft als “Vergreisung” bezeichnet, was definitiv falsch ist. Entmischung hat nichts mit dem Alter zu tun!

Fazit und Empfehlung:

Wechseln Sie Ihre PKV nicht! Lassen Sie sich vor Abschluss oder Wechsel der PKV durch qualifizierte Versicherungsmakler und -berater aufklären! Glauben Sie keinen leeren Versprechungen von vollen Badewannen und informieren Sie sich!!

Mit den besten Empfehlungen
Wladimir Simonov

Jul 13

GASTBEITRAG: Staatsverschuldung und Beamtenpension

Wer kennt die Abkürzung WZBW aus dem Mathe-Unterricht nicht?

Was zu beweisen war! Und los geht’s…

Der Bund zahlt 100 Mio (in Zahlen: 100.000.000) EUR Zinsen – am Tag! Stimmt das?

Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes beträgt der aktuelle Schuldenstand der Bundesrepublik Deutschland ca. 1.998.800.000.000 EUR (21. Februar 2011), davon entfallen ca. 1.284.100.000.000 EUR auf den Bund und etwa 595.300.000.000 EUR auf die Länder – der Rest auf die Kommunen und Sozialversicherungsträger.​ Nimmt man noch die kurzfristigen Kassenkredite der öffentlichen Hand hinzu, werden es rund 2.070.000.000.000 EUR Staatsschulden sein.

Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt damit bei ca. 24.450 EUR. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Übrigens: Portugal ist pro Kopf der Bevölkerung nur halb so hoch verschuldet. (Quelle: Wikipedia)

Der Gesamtschuldenstand der öffentlichen Haushalte in Abgrenzung des Maastricht-Kriteriums lag im Jahr 2010 bei 75,7 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP). Im Jahr 2011 wird er voraussichtlich bei 75,9 Prozent liegen. (Stand: 01.01.2011)
Alleine in 2010 muss der Bund für Zinsen rund 36.800.000.000 EUR ausgeben, die er nicht hat und zum Teil durch neue Schulden finanziert, das sind ca. 100.000.000 EUR pro Tag. Alle staatlichen Ebenen (also Bund, Länder und Gemeinden) haben trotz des anhaltend niedrigen Zinsniveaus im Jahr 2010 rund 63.200.000.000 EUR an Zinsen zu zahlen. Wir alle stemmen also pro Tag rund 173.150.000 EUR – nur für Zinsen. (Quelle: Bund der Steuerzahler e.V.)

Diese Zahlen kann niemand mehr beurteilen. Sie sind einfach zu groß – auch für die Displays eines jeden Taschenrechners. Kürzen wir also sechs Nullen und stellen diese beiden Zahlen in Relation: 1.998.800 Schulden und 63.200 Zinsen. Das entspricht einem Zinssatz von ca. 3,16%. Nur mal angenommen, die Inflation treibt die Zinsen um nur einen Prozentpunkt in die Höhe. Dann steigen die Zinskosten allein des Bundes um rund 10.000.000.000 EUR pro Jahr.

Ein Prozent Tilgung würde bedeuten, zusätzlich 19.988.000.000 EUR aufbringen zu müssen. Dann läge der Kapitaldienst bei rd. 83.188.000.000 EUR. Im Ergebnis wären wir dann nach ca. 44 Jahren schuldenfrei. Nur leider tilgen wir nicht. Wir erhöhen die Staatsverschuldung (das nennt man Nettokreditaufnahme und die betrug im Jahr 2010 ca. 44.000.000.000 EUR – Rekord). Sollten die Zinsen in Zukunft weiter ansteigen, brauchen wir noch mehr Fremdkapital, das wir wieder finanzieren müssen. Eine Tilgung wird immer unwahrscheinlicher. Rechnen Sie einfach selbst. Mit dem BWK-MiniMAX® geht das ganz einfach. Laden Sie entweder die Software kostenlos herunter unter www.volksrechner.com oder buchen Sie ein BWK-Rechentraining® unter www.nevels.de

Konsequenzen für die Beamten:

Es gibt zwei Ausgabenblöcke, die in fast allen öffentlichen Haushalten bedrohlich anwachsen: Die Schuldzinsen (s.o.) und die Ausgaben für Versorgungsleistungen. Die Altersversorgung aller rund 1,44 Mio. Versorgungsempfänger – vor allem pensionierte Beamte – kostete im Jahr 2006 rund 35.300.000.000 EUR (das entspricht fast der gesamten Zinslast des Bundes).

Es ist absehbar, dass die Zahlungen für Pensionen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten sprunghaft steigen werden, wenn die heutigen Beamten in Pension gehen. So rechnet die Bundesregierung in ihrem Versorgungsbericht damit, dass die Versorgungsausgaben im Jahr 2050 sogar auf über 90.000.000.000 EUR ansteigen werden. Das sind 2,15% pro Jahr.

Die Pensionen werden anhand der ruhegehaltsfähigen Bezüge ermittelt (1,79375% pro Dienstjahr, max. 71,75% nach 40 Dienstjahren). Da die Bezüge laufend steigen und die Lebenserwartung der Beamten auch laufend steigt, müssen die Zahlbeträge der Pensionen in Zukunft ebenfalls steigen.

Das Anwachsen mit einem Steigerungssatz von 2,15% auf 90.000.000.000 EUR im Jahr 2050 bedeutet mathematisch, dass in diese Prognose eine zukünftige Reduzierung der Pensionen bereits enthalten ist. Allein die amtlich festgestellte Inflation liegt mit 2,3% bereits über den prognostizierten Versorgungsausgaben. Unterstellt man zusätzlich, dass die Pensionäre älter werden (und in diesem Punkt werden sie sich nicht von allen anderen Menschen unterscheiden) muss die Höhe der Pension deutlich abgesenkt werden.

Sie glauben nicht, dass das möglich ist? Hier eine kleine Historie:

  • Ruhegehaltssatz bis 31.12.1991
    Nach 35 ruhegehaltsfähigen Jahren ist der Höchstsatz von 75% erreicht.
  • Beginn des Beamtenverhältnisses ab 01.01.1992
    Der Ruhegehaltssatz steigt für jedes ruhegehaltsfähige Jahr um 1,875%.
    Nach 40 Jahren ist der Höchstsatz von 75% erreicht.
  • Versorgungsänderungsgesetz 2001 (wirkungsgleicher Bezug auf die Rentenreform)
    Der Ruhegehaltssatz steigt für jedes ruhegehaltsfähige Jahr um 1,79375%.
    Nach 40 Jahren ist der Höchstsatz von 71,75% erreicht.
    Diese Kürzung betrifft auch laufende Pensionen (Bestand und Zugang)!

Beispiele:

Ein Beamter, der im Jahr 2011 eine Pension von 3.000 EUR erhält, behält nach Steuer (567 EUR) 2.433 EUR übrig. Davon muss er noch seine Krankenversicherung bezahlen.

Angenommen, der Zahlbetrag der Pension und die Höhe der Steuer bleiben konstant, so dass die Nettopension im Jahr 2021 auch 2.433 EUR beträgt. Dann reduziert die Inflation von nur 2,3% die Kaufkraft auf 1.928 EUR und in 20 Jahren auf 1.527 EUR.

Sollte durch ein neues Versorgungsänderungsgesetz die Bemessung der Pension auf beispielsweise 65% der ruhegehaltsfähigen Bezüge reduziert werden und sind auch wieder Pensionäre davon betroffen (immer noch deutlich besser als bei gesetzlich Versicherten), dann hat der Beamte plötzlich nur noch 2.717 EUR wovon nach Steuern (466 EUR)  2.251 EUR übrig bleiben. Kaufkraftbereinigt sind das heute 1.783 EUR (in 10 Jahren) oder 1.413 EUR (in 20 Jahren).

Da die Armutsgrenze heute bereits bei ca. 935 EUR liegt, kann sich jeder Beamte leicht ausmalen, was ihm bei einer stärkeren Absenkung des Versorgungsniveaus passieren wird. Und eine starke Absenkung wird nicht zu vermeiden sein… (persönliche Anmerkung des Autors).

Unter Berücksichtigung des Beitrags zur privaten Krankenversicherung erscheint die üppige Pension von 3.000 EUR in einem ganz schummrigen Licht und Beamte werden ganz schnell ganz arm…

Seien Sie / seien wir darauf vorbereitet.

Frank Nevels
www.nevels.de

Über den Autor:

Frank Nevels ist mehr als 33 Jahre als Verkäufer, Berater und Coach für Steuerberater und Finanzdienstleister tätig. Sein „Handbuch Förderung der Altersvorsorge“ (Gabler­-Verlag) hat den Markt durchdrungen und ergänzt 12 weitere Fachbücher. Steuerberater kennen ihn als Autor des Platow-Verlags. Als Lizenztrainer im Bernd W. Klöckner®-Team versteht er es, das gesamte Fachwissen mit der BWK-Methode® zu verbinden. Durch seine Beratungspraxis befindet sich Herr Nevels fast täglich am POINT OF SALE und weiß, wovon er redet. Neben zahlreichen Verkaufshilfen führt Herr Nevels mittels Sprache zum Erfolg.

Jun 15

Beitragserhöhungen der PKV treffen nun auch die Werbebranche

Eine schlimme Nachricht für alle PKV-Interessenten – gab es letztes Jahr die private Krankenversicherung noch zu 59 EUR im Monat, so stiegen die PKV-Werbepreise heuer nun enorm:

PKV80eur

Ich hoffe, das wird nicht allzu viele Kunden davon abhalten, Ihre persönlichen Daten zu hinterlassen, damit ein Maklerkollege diesen sog. “Lead” zu Preisen zwischen 120 und 190 EUR netto von dem Anbieter kauft.  Evetuell sehen manche Kunden aber auch den Verkaufsdruck, der dadurch entsteht und nehmen stattdessen eine ergebnisoffene Beratung in Anspruch… :-)

Was meinen Sie dazu?

Mai 30

Vergütungsvereinbarung der FWU AG / Atlanticlux Lebensversicherung S.A.

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute berichtete der renommierte Branchendienst GOMOPA über ein richtungsweisendes Urteil vor dem Landgericht Berlin.

Der Fall: Ein Versicherungsvertreter vermittelte die Fondspolice der FWU (Facility for Wordwide Unit Insurance) AG mit deren Tochterunternehmen Atlanticlux Lebensversicherung S.A. aus Luxemburg als Risikoträger. Bei diesen Verträgen handelt es sich um sog. “Nettopolicen” ohne die üblicherweise einkalkulierten Abschluss- und Vertriebskosten. Diese werden durch den Vermittler vom Kunden separat erhoben und zwar durch einen 2. eigenständigen Vertrag, der theoretisch rechtlich nichts mit dem Versicherungsvertrag zu tun haben soll. In dieser sog. “Nettoprovisionsvereinbarung” wird festgehalten, wie die Abschlusskosten i.H.v. üblicherweise 7-8% der Beitragssumme des Versicherungsvertrages durch den Kunden bezahlt werden sollen – das Policenguthaben wird gleichzeitig zur Sicherung der Ansprüche an den Vertreter abgetreten. Die Kundin aus dem o.g. Fall hat also einen solchen Versicherungsvertrag zusammen mit der separaten Provisionsvereinbarung i.H.v. ~4.000 EUR abgeschlossen. 10 Monate später kündigte Sie aufgrund geänderter Lebensumstände (Geburt eines Kindes) den Versicherungsvertrag und bekam statt eines Rückkaufswertes vom Vertreter promt die Aufforderung, die noch ausstehenden Abschluss- und Vertriebskosten i.H.v. ~3.000 EUR in einer Summe zu entrichten. Weil die Kundin dies jedoch nicht konnte/wollte, beschritt sie erfolgreich den Rechtsweg und erstritt am 19.05.2011 das oben erwähnte Urteil.

Dieses Urteil erinnert an eine ähnliche Entscheidung im Fall der PrismaLife AG vom April diesen Jahres.

Fazit und Tipp: Unter dem noch weitgehend “sauberen” Deckmantel der Honorarberatung werden wohl bereits jetzt einige unsaubere Geschäftsmodelle betrieben. Insbesondere die o.g. Produkte werden verstärkt von bekannten Strukturvertrieben angeboten, die einen zweifelhaften Ruf genießen. Achten Sie bei Abschluss eines Vertrages immer nicht nur auf die Kosten und die vermeintlichen Vorteile sondern lassen Sie sich auch über die eventuellen Nachteile der Konstellation beraten. Merken Sie sich auch die Grundregel bei Finanzprodukten – jedem Vorteil steht auch ein entsprechender Nachteil gegenüber. Werden Sie insbesondere dann misstrauisch, wenn Ihr Vermittler/ Berater eine Lösung als DIE Lösung präsentiert und fragen Sie aktiv nach Alternativen. Wenn es keine Alternativen gibt oder zu geben scheint, so sollten Sie doppelte Vorsicht walten lassen und besser einen tatsächlich unabhängigen Vermittler/ Berater kontaktieren. Sollten Sie einen solchen Vertrag bereits abgeschlossen haben, prüfe ich diesen gerne für Sie und empfehle Ihnen falls notwendig einen spezialisierten sowie kompetenten Rechtsanwalt. In der Praxis ist es nämlich so, dass nicht jede “Nettopolice” auch zu den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden passt.

Mit freundlichen Empfehlungen
Wladimir Simonov
Ihr Honorarberater

Links zu dem Thema:
Meldung der GOMOPA
Pressemeldung Dr. Schulte und Partner Rechtsanwälte

Mai 26

Mangelnde Flexibilität bei Fondspolicen

Sehr geehrte Damen und Herren,

gestern habe ich in Kundenauftrag eine ältere Fondspolice eines der größten Lebensversicherer analysiert.

Ernüchterndes Ergebnis: In fast jeder Hinsicht zum Vermögensaufbau ungeeignet. Wenn die Kundin die nächsten 15 Jahre wie geplant weiterspart und eine Rendite i.H.v. 6% p.a. netto nach Kosten erzielt, so erhält sie in etwa das eingezahlte Kapital wieder – als Rente noch deutlich weniger.

Angesichts der Faktenlage entschloß sich die Kundin deshalb, den Vertrag zu kündigen. Ihr primärer Wunsch zum jetzigen Zeitpunkt ist die Sicherung des aktuellen Rückkaufswertes i.H.v. rund 4.500 EUR, denn noch vor 6 Monaten lag dieser bei etwa 3.800 EUR. Leider musste ich auch hier die Kundin enttäuschen, denn es standen neben dem weltweit anlegenden Aktiendachfonds (Kostenquote in etwa bei 3% p.a., was eine Bruttorendite von mindestens 10% p.a. voraussetzen würde, um die gewünschte Nettorendite von 6% p.a. nach Fonds- und Versicherungsmantelkosten zu erreichen) nur 2 andere Aktiendachfonds in etwa der gleichen Risikoklasse wie der aktuelle zur Verfügung. Wenn man die Kündigungsfrist bis zum 01.07.2011 und die Dynamik der Aktienmärkte bedenkt, so gleicht das wahrlich einem Glücksspiel, welche Summe denn nun endgültig zur Auszahlung kommt.

Tipps zur richtigen Policenwahl:

Achten Sie bereits bei Abschluss auf die Kostenquote sowie eine ausreichende Fondsauswahl, die dem Wörtchen “WAHL” auch gerecht wird. Konsultieren Sie vor Abschluss einen unabhängigen Experten und wenn Sie bereits eine solche Police im Schrank stehen haben, scheuen Sie nicht, diese mal prüfen zu lassen. Ihr Auto bringen Sie schließlich auch alle 2 Jahre zum TÜV, Ihrer Altersvorsorge sollten Sie mindestens die gleiche Aufmerksamkeit zuteil werden lassen! ;-)

Mit freundlichen Empfehlungen
Wladimir Simonov
Ihr Honorarberater

Mrz 23

Erste Auszahlung von Riester-Fondssparplänen und -Banksparplänen enttäuschend

Erste Auszahlungen von Riester-Renten für Kunden enttäuschend: Rentensicherheit ab dem 85. Lebensjahr kostet 20 bis 30 Prozent des eingezahlten Geldes
Walter Riester: “So war das nicht gedacht”

Hamburg (ots) – Versicherer planen mit hoher Zahl von Versicherten, die älter als 85 werden 

Hamburg, 23. März 2011 – Die ersten Auszahlungen von Riester-Fonds- und Banksparplänen führen bei den Kunden teils zu herben Enttäuschungen. Wie das Wirtschaftsmagazin ‘Capital’ (Ausgabe 4/2011, EVT 24. März) berichtet, fallen die Zahlungen oft niedriger aus, als von den Neu-Rentnern erwartet. Grund für die Enttäuschung ist laut ‘Capital’ in aller Regel die spezielle Konstruktion der 2001 eingeführten Riester-Produkte, die eine gleich hohe monatliche Rentenzahlung nach dem 85. Lebensjahr durch eine Versicherungslösung garantieren sollen.

Diese Lösung ist teurer als damals gedacht und betrifft rund 3,5 Millionen Deutsche, die bereits mit einem Riester-Fonds- oder Bank-Sparplan fürs Alter vorsorgen. Wie jetzt eine von ‘Capital’ durchgeführte Befragung von einem halben Dutzend Banken und Fondsanbieter ergab, fließen zwischen 20 und 30 Prozent des Geldes bei Riester-Sparplänen zum Rentenstart in eben diese Versicherung. Der Erfinder dieses Vorsorgeprodukts, Walter Riester, erklärte gegenüber ‘Capital’, dass ursprünglich zehn Prozent des Sparkapitals für die Rentensicherung ab 85 vorgesehen waren und führte aus: “So war das nicht gedacht. Wenn einige Anbieter jetzt 25 oder 30 Prozent verlangen, ist das zuviel.”

Ein Grund für den hohen Beitragsanteil zur Rentensicherung ab 85 ist der von den Versicherern angesetzte Sicherheitspuffer. Von 1.000 heute 65-jährigen Männern erleben laut offizieller Statistik im Schnitt gut 450 ihren 85. Geburtstag. Die Versicherer kalkulieren bei Rentenpolicen allerdings mit mindestens 700. Das dient der Vorsicht, aber auch dem Geschäft. Sterben die Kunden doch früher als angenommen, darf das Unternehmen bis zu 25 Prozent der anfallenden Gewinne behalten. Nach Schätzungen des Branchenexperten und Finanzmathematikers Axel Kleinlein ergeben sich daraus mittelfristig Milliardenbeträge für die Versicherer.

Der generell sehr unterschiedlichen Qualität der Riester-Produkte ist sich der Namensgeber wohl bewusst. Gegenüber ‘Capital’ meinte Riester: “Da gibt es in der Tat sehr gute, wenige gute und hundsmiserable.” Daran ändere auch die Zertifizierung durch das Bundeszentralamt für Steuern nichts, meint Experte Kleinlein: “Der Ansatz der Zertifizierung ist gut, leider ist die Umsetzung nicht gelungen. Die Produkte werden ausschließlich formal geprüft. Keiner checkt, ob sie tatsächlich etwas taugen.”

Pressekontakt:

Britta Langenberg, Redaktion G+J Wirtschaftsmedien
Tel. 030/22074-141, E-Mail: langenberg.britta@guj.de

Quelle: Presseportal 23.03.2011

Meine Meinung: Nun haben die ersten Riester-Rentner dies schwarz auf weiß, was ich bereits vor einiger Zeit ausführlich behandelt habe. Für die heutigen Riester-Rentner kommt die Einsicht zu spät – alle anderen Sparer können noch handeln! Lassen Sie sich unbedingt unabhängig und qualifiziert zu diesem Thema beraten.

Mit freundlichen Empfehlungen
Wladimir Simonov
Ihr Honorarberater

Mrz 21

Stellungnahme: Altersvorsorge für jeden Geschmack

Altersvorsorge für jeden Geschmack

Die staatlich geförderte Riester-Rente wird immer beliebter. Dabei stehen Sparern vier Varianten zur Auswahl. Rürup-Verträge haben dagegen weniger Fans und außerdem zahlreiche Fallstricke. von Anne-Christin Gröger und Friederike Krieger

Das Thema Altersvorsorge kommt langsam bei den Bundesbürgern an. Vor allem Riester-Renten sind echte Trendsetter. Schon seit 2006 zahlen Männer und Frauen hier einheitliche Beiträge. Dem jüngsten Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu Unisex-Tarifen in der Assekuranz sind die Anbieter in diesem Fall sogar fünf Jahre voraus. Durch die Einheitsbeiträge sind die Verträge zwar für Männer etwas teurer geworden. Der Beliebtheit der Altersvorsorgeform haben sie aber keinen Abbruch getan. Inzwischen haben mehr als 14 Millionen Kunden einen Vertrag abgeschlossen. Vor allem die staatlich geförderten Rentenversicherungen sind bei Verbrauchern der Renner.

Um Kürzungen bei der gesetzlichen Rente auszugleichen, hat die rot-grüne Bundesregierung 2002 die Förderung der Altersvorsorge eingeführt. Seitdem bezuschusst der Staat die private Altersvorsorge mit Zulagen und Steuervorteilen. Kunden, die selbst Rücklagen fürs Alter bilden, erhalten derzeit 154 Euro Grundzulage pro Person, 185 Euro gibt es für jedes Kind. Für Kinder, die nach 2008 geboren wurden, gibt es sogar 300 Euro. Außerdem können Sparer die Beiträge bis zu einer Höhe von 2100 Euro pro Jahr steuerlich geltend machen. Voraussetzung für die volle Förderung ist, dass der Kunde vier Prozent seines jährlichen Bruttolohns in den Vertrag einzahlt. Förderberechtigt sind fast alle Verbraucher außer Selbstständige und Freiberufler.

Riester-Renten werden als Versicherung, Banksparplan, Investmentfondsvertrag und seit 2008 auch als Bausparmodell angeboten. Für alle Varianten gilt: Der Anbieter muss den Erhalt der eingezahlten Beiträge und der Zulagen garantieren. “Riestern lohnt sich schon allein aufgrund der Zulagen”, sagt Thomas Hentschel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. “Da sind die Verträge klar im Vorteil im Vergleich zu ungeförderten Geldanlagen.”

Bei der klassischen Riester-Rentenversicherung sagen die Anbieter ihren Kunden eine Mindestverzinsung des Sparanteils zu. Er liegt aktuell noch bei 2,25 Prozent, wird aber ab dem kommenden Jahr auf 1,75 Prozent sinken. “Der Kunde bekommt bei der klassischen Riester-Rente neben einem garantierten Zins auch noch eine jährliche Überschussbeteiligung gutgeschrieben”, sagt Guntram Stark, Abteilungsleiter für Produktentwicklung bei der R+V Versicherung.

Im Marktdurchschnitt liegt die Gesamtverzinsung der Riester-Rentenverträge derzeit bei 4,05 Prozent. Bei Investmentfonds gibt es dagegen keine Garantieverzinsung. Hier müssen die Anbieter lediglich sicherstellen, dass die Kunden bei Rentenbeginn ihre eingezahlten Beträge zurückbekommen.

Die klassischen Riester-Renten eigneten sich deshalb besonders gut für sicherheitsbewusste Kunden, sagen Verbraucherschützer, weil sich daraus eine Garantierente errechnen lässt, die Sparer am Ende der Laufzeit auf jeden Fall ausbezahlt bekommen. Die Absenkung des Garantiezinses wird aber für die klassischen Riester-Renten Folgen haben, erwartet Stefan Albers, Präsident des Bundesverbands der Versicherungsberater: “Wenn die Versicherer geringere Beträge garantieren, kann es dazu kommen, dass die angesparte Summe bei Rentenbeginn inflationsbedingt weniger wert ist als bei ihrer Einzahlung”, sagt Albers. “Das betrifft aber nur Policen, die ab 2012 abgeschlossen werden. Für vorher unterschriebene Verträge gilt weiter der alte Garantiezins.”

Bei Investmentfonds ist zwar nur der Kapitalerhalt garantiert. Die Renditechancen der Fondssparpläne seien dafür höher, sagen zumindest die Investmentgesellschaften. “Fondssparpläne empfehle ich vor allem jüngeren Sparern, die noch viel Zeit haben, Kursverluste an den Kapitalmärkten auszugleichen”, sagt Verbraucherschützer Hentschel. Aus diesem Grund bieten viele Fondsgesellschaften die Verträge für Kunden ab 50 Jahren nicht mehr an.

In der Verkaufszahl aufgeholt haben inzwischen auch die Banksparpläne, die lange Zeit ein Nischendasein gefristet haben. Versicherungsberater Albers hält diese Anlageform für die attraktivste. “Kunden sind flexibel, können auch mal zwischendurch die Beitragszahlung aussetzen, und es entstehen keine hohen Abschlusskosten oder Provisionen.”

Deutlich unflexibler ist dagegen eine weitere Form der staatlich geförderten Altersvorsorge: die Rürup-Rente, benannt nach dem ehemaligen Universitätsprofessor und Wirtschaftsweisen Bert Rürup. Nahtlos schaffte er den Absprung in die freie Wirtschaft. Mit dem AWD-Gründer Carsten Maschmeyer hat er sogar eine eigene Beratungsgesellschaft gegründet, nachdem Maschmeyer ihn vorher als Chefvolkswirt zum AWD geholt hatte.

Die Rürup-Rente ist in erster Linie für Selbstständige gedacht, die keine Riester-Verträge abschließen können. Beim Abschluss gewährt der Staat Steuervorteile. Die Sparer können einen wachsenden Teil der Einzahlungen von der Steuer absetzen.

Derzeit sind es 72 Prozent, bis 2025 soll der Anteil auf 100 Prozent ansteigen. Pro Jahr sind steuerbegünstigte Einzahlungen von bis zu 20.000 Euro möglich. “Zwar wird die spätere Rentenzahlung besteuert, aber während des Erwerbslebens, wenn die Steuerlast wesentlich höher ist, wirkt sich die Rürup-Rente stark steuermindernd aus”, sagt Tatjana Höchstödter vom Versicherer Ergo.

Ob die Rechnung aufgeht, ist ohne fachmännischen Rat schwer zu beurteilen. “In der staatlich geförderten Altersvorsorge ist die Rürup-Rente das mit Abstand komplexeste Produkt”, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. “Nur mit Unterstützung eines Steuerberaters lässt sich abschätzen, ob die Rente für den Anleger sinnvoll ist.”

Rudnik kritisiert zudem das enge Korsett der Rürup-Rente. Einmal gezahlte Beiträge bekommt der Sparer vor der Rente nicht mehr zurück, selbst wenn er den Vertrag kündigt. Im Ruhestand ist es auch nicht möglich, sich einen Teil des angesparten Kapitals auf einen Schlag auszahlen zu lassen. Beleihen, übertragen oder vererben kann der Kunde den Vertrag ebenfalls nicht. “Die Rürup-Rente macht nur für ältere Anleger Sinn, die noch Geld übrig haben”, sagt der Versicherungsexperte.

Von fondsgebundenen Rürup-Renten sollten Anleger Abstand nehmen, rät Rudnik. “Die Kosten sind oft sehr hoch.” Er empfiehlt stattdessen klassische Policen mit Garantiezins. Rürup-Renten sind auch als reine Fondssparpläne erhältlich. Es gibt bisher mit DWS und Deka allerdings nur zwei Anbieter. Denn die Fondsanbieter müssen das gesamte Kapital bei Rentenbeginn in eine Versicherung stecken, damit eine lebenslange Rentenzahlung gewährleistet ist. Mit dem Fondssparen ist es also in der Auszahlungsphase vorbei. “Dies und die weiteren gesetzlichen Restriktionen gehen zulasten der Attraktivität des Konzepts”, bemängelt auch Felix Fortelka vom Bundesverband Investment und Asset Management.

Quelle: FTD.de 18.03.2011

Anmerkungen:

Zitat:

“Riestern lohnt sich schon allein aufgrund der Zulagen”, sagt Thomas Hentschel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. “Da sind die Verträge klar im Vorteil im Vergleich zu ungeförderten Geldanlagen.”

Mit dieser Aussage begeht Hr. Hentschel einen klassischen Anfängerfehler, den man eigentlich bei einem Produktverkäufer und nicht bei einem “Experten der Verbraucherzentrale” erwartet hätte. Riestern KANN sich wegen der Zulagen und Steuervorteile lohnen. Von “klar im Vorteil” kann jedoch keine Rede sein, denn es stehen die in der Relation höhere Kostenquote sowie Nachteile bei der Flexibilität und der Besteuerung der Rente entgegen.

Zitat:

Bei Investmentfonds ist zwar nur der Kapitalerhalt garantiert. Die Renditechancen der Fondssparpläne seien dafür höher, sagen zumindest die Investmentgesellschaften. “Fondssparpläne empfehle ich vor allem jüngeren Sparern, die noch viel Zeit haben, Kursverluste an den Kapitalmärkten auszugleichen”, sagt Verbraucherschützer Hentschel.

Mit dieser Aussage disqualifiziert sich Hr. Hentschel leider vollständig. Ich empfehle DRINGEND die Lektüre meiner Artikel “Riester-Fondssparplan – die eierlegende Wollmilchsau?” sowie “Riester-Fondssparplan – schön(nach)gerechnet“. Für den 2. Artikel stelle ich gerne bei Interesse das Passwort zur Verfügung.

Zitat:

In der Verkaufszahl aufgeholt haben inzwischen auch die Banksparpläne, die lange Zeit ein Nischendasein gefristet haben. Versicherungsberater Albers hält diese Anlageform für die attraktivste. “Kunden sind flexibel, können auch mal zwischendurch die Beitragszahlung aussetzen, und es entstehen keine hohen Abschlusskosten oder Provisionen.”

Ich schätze Hr. Albers fachlich zwar sehr, muss dieser Aussage jedoch vehement widersprechen. Ich weiß nicht, was ihn dazu bewegt hat – es kann ja auch ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat sein. Die Beitragszahlung kann bei jeder Riester-Art ausgesetzt werden. Dieses Merkmal ist Zertifizierungsvoraussetzung. Ferner muss man fairerweise anmerken, dass ein reiner Kostenvergleich niemals zielführend ist. Neben den Abschluss- und Vertriebskosten (Provisionen) sind die Kosten für die biometrische Absicherung entscheidend und genau diese Komponente fehlt sowohl bei Riester-Fondssparplänen als auch bei Riester-Banksparplänen. Auch Hr. Albers empfehle ich die Lektüre der o.g. Artikel. Die Aussagen darin lassen sich zu rund 90% auf Riester-Banksparpläne anwenden.

Zitat:

Ob die Rechnung (Sparen mit Rürup-Rente) aufgeht, ist ohne fachmännischen Rat schwer zu beurteilen. “In der staatlich geförderten Altersvorsorge ist die Rürup-Rente das mit Abstand komplexeste Produkt”, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. “Nur mit Unterstützung eines Steuerberaters lässt sich abschätzen, ob die Rente für den Anleger sinnvoll ist.” Rudnik kritisiert zudem das enge Korsett der Rürup-Rente. Einmal gezahlte Beiträge bekommt der Sparer vor der Rente nicht mehr zurück, selbst wenn er den Vertrag kündigt. Im Ruhestand ist es auch nicht möglich, sich einen Teil des angesparten Kapitals auf einen Schlag auszahlen zu lassen. Beleihen, übertragen oder vererben kann der Kunde den Vertrag ebenfalls nicht. “Die Rürup-Rente macht nur für ältere Anleger Sinn, die noch Geld übrig haben”, sagt der Versicherungsexperte.

Diese Aussage von Hr. Rudnik kann man guten Gewissens unterschreiben.

Zitat:

Von fondsgebundenen Rürup-Renten sollten Anleger Abstand nehmen, rät Rudnik. “Die Kosten sind oft sehr hoch.” Er empfiehlt stattdessen klassische Policen mit Garantiezins. Rürup-Renten sind auch als reine Fondssparpläne erhältlich. Es gibt bisher mit DWS und Deka allerdings nur zwei Anbieter. Denn die Fondsanbieter müssen das gesamte Kapital bei Rentenbeginn in eine Versicherung stecken, damit eine lebenslange Rentenzahlung gewährleistet ist. Mit dem Fondssparen ist es also in der Auszahlungsphase vorbei. “Dies und die weiteren gesetzlichen Restriktionen gehen zulasten der Attraktivität des Konzepts”, bemängelt auch Felix Fortelka vom Bundesverband Investment und Asset Management.

Hier wiederum betreibt auch Hr. Rudnik unnötige Pauschalisierung. Kosten alleine können niemals ein Argument für oder gegen eine Anlageentscheidung sein. Richtig wäre gewesen, darauf hinzuweisen, dass den höheren Renditechancen auch in Relation höhere Kosten entgegenstehen. Bzgl. Rürup-Fondssparplänen passen die Aussagen aus meinen Riester-Fondssparplanartikeln ebenfalls. Bei Rürup-Fondssparplänen ist durch die mangelnde Kapitalisierungsmöglichkeit das Grundproblem noch schwerwiegender.

Fazit: Lassen Sie sich nicht für dumm verkaufen und nehmen Sie lieber qualifizierte unabhängige Beratung in Anspruch!

Beste Grüße
Wladimir Simonov
Ihr Honorarberater

Mrz 09

Bayerische Beamtenkrankenkasse “garantiert” Beitragsrückerstattung 2010 und 2011

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute erreichte mich die folgende Information:

BBKK BRE 2010-11Weiter unten findet sich der Hinweis:

BBKK BRE InfoUnterschied: Erfolgsabhängige und garantierte Beitragsrückerstattung

Wie von BBKK schon richtig geschrieben ist die erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung (BRE) eine Beteiligung am Überschuss des Unternehmens. Dabei hängt es stark von der Unternehmensphilosophie ab, wie dieser Überschuss verwendet wird. Entweder die Kunden bekommen die sog. Bar-BRE oder eine Limitierung der Beitragsanpassungen in der Zukunft (d.h. die Beitragssteigerungen werden abgemildert).

Garantierte Beitragsrückerstattung ist hingegen bereits fest einkalkuliert und wird über MEHRbeiträge gegenüber vergleichbaren Tarifen finanziert – es ist eine Versicherungsleistung (Schaden). Es gibt mehrere Arten davon wie z.B. kleinere Pauschalen für Vorsorge oder bis zu 6 Monatsbeiträge bei Leistungsfreiheit.

Diese beiden Formen schließen sich gegenseitig nicht aus, können in den Tarifen also kombiniert werden.

Achtung bei der Auswahl!

Erfolgsabhängige BRE ist kein Entscheidungskriterium, da dies immer eine Momentaufnahme darstellt. Falls man eine erfolgsabhängige BRE erhält, empfiehlt es sich DRINGEND diese in irgendeiner Form für’s Alter zu sparen, denn dieses Geld wird bei der Limitierung der Beitragsanpassungen fehlen. Garantierte BRE hingegen kann ein Entscheidungskriterium sein, hierbei sind jedoch einige Aspekte zu beachten.

Grundsätzlich sollte bei der Beratung auch eine steuerliche Betrachtung erfolgen, denn durch das Bürgerentlastungsgesetz “lohnt” sich eine BRE (erfolgsabhängig oder garantiert) in vielen Fällen nicht mehr.

Mit freundlichen Empfehlungen
Wladimir Simonov

Mrz 09

Transparente Kostendarstellung in Fondspolicen: Allianz

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Januar dieses Jahres hat Allianz Lebensversicherungs-AG unter großem positiven Medienecho angekündigt, durch die Angabe von Reduction in Yield (RIY) (frei übersetzt mit Gesamtkostenquote) mehr Transparenz walten zu lassen sowie eine bessere Vergleichbarkeit mit Angeboten der Mitbewerber herzustellen.  Heute schauen wir uns mal an, ob dieses Versprechen auch eingelöst wird.

Exkurs: Wieso sind Kosten wichtig und was bringt mir die Angabe RIY?

Nehmen wir mal an, es liegen zwei Angebote vor. Insgesamt sind die Rahmenbedingungen wie Beitrag, Laufzeit, Fondsauswahl u.ä. auf den ersten Blick gleich, doch bei dem einen Anbieter wird – gleiche Wertentwicklung der Fonds unterstellt – eine Ablaufleistung von rund 20% mehr in Aussicht gestellt. Eigentlich ist die Sache nun ziemlich einfach und die Produktentscheidung eindeutig, oder?

Sie ahnen bereits wahrscheinlich, dass dem nicht so ist. Die meisten Versicherer (und auch die Anbieter von professioneller Vergleichssoftware) weisen in den Angeboten/ Vergleichen nicht alle Kosten aus und verfälschen somit die Ergebnisse massiv. Es werden i.d.R. Kosten auf der Versicherungsebene bei der Hochrechnung berücksichtigt, die Kosten auf Fondsebene jedoch außen vor gelassen. Die Anbieter, die transparete Angebote mit korrekten Kostenangaben bereitstellen, werden somit im Wettbewerb erst einmal benachteiligt, weil sie als “zu teuer” erscheinen. Wie diese Finanzkosmetik aussieht, habe ich vor einiger Zeit bereits hier dargestellt.

Diesem Missstand soll nun die Angabe der RIY-Kennzahl Abhilfe schaffen. Diese Kennzahl führt alle Kosten einer Fondspolice zu einer einzigen Ziffer zusammen, die die konkrete Renditeminderung “X” bei einer Rendite von “Y” beschreibt. Somit werden die Angebote zum ersten Mal vergleichbar.

Betrachtung in der Praxis: Allianz Lebensversicherungs-AG

Der Modellfall: Der Kunde, Geb. 01.04.1981 (30 Jahre alt) schließt eine Fondspolice mit 100 Euro Monatsbeitrag bis zum Endalter 60 ab, für den Rentenbezug wird eine Überschussrente sowie Restkapitalabfindung bei Tod gewählt.

Schon in der Angebotsmaske stellt Allianz zwei Varianten der Ergebis-Darstellung zur Auswahl:

Allianz - Auswahl der ErgebnisdarstellungWir wählen natürlich die “neue” Modellrechnung inkl. RIY-Kennzahl.

Angabe der Abschluss- und Verwaltungskosten (Versicherung):

Abschlusskosten gem. PIBDie Darstellung ist zwar überaus transparent, jedoch hinsichtlich der Abschlusskosten leider nicht ganz zutreffend. Als Abschlusscourtage werden deutlich mehr als 41,8%o (4,18%) der Beitragssumme ausgeschüttet.

Angabe der Fondskosten:

Fondskosten gem. PIBDie Darstellung hat Vorbildcharakter. Einziger Wermutstropfen in der Praxis ist, dass die Kick-Backs (fondsabhängige Überschussvergütung) in den Bedingungen nicht garantiert wird. Eine verbindliche Regelung hierzu wäre sehr positiv. Ferner fehlt der Hinweis, dass es Kostenarten (u.a. Transaktionskosten, performanceabhängige Vergütung, etc.) gibt, die nicht in der TER ausgewiesen werden und v.a. bei aktiv gemanagten Fonds bis zu 1% p.a. zusätzlich betragen können

Darstellung der RIY:

RIY gem. PIB
Diese Darstellung weist nun den Einfluß der Kosten auf die Rendite aus. Die Gesamtkostenquote in unserem Musterfall beträgt je nach Wertentwicklung zwischen 1,96% und 2,18% p.a. – davon sind rund 1,47% bis 1,69% Kosten für den Versicherungsmantel.

Darstellung der Ablaufleistung nach Kosten:

Ablaufleistung gem. PIBDiese Darstellung vermittelt ein realistisches Bild davon, was der Kunde bei der jeweiligen Wertentwicklung der Fonds an Rente sowie Kapitalabfindung erwarten kann. Dies ist ebenfalls sehr transparent. Ich möchte jedoch einen Schritt weiter gehen und diese Grafik dazu nutzen, um darzustellen, wieviel Kapitalverlust durch die Kosten entsteht.

Darstellung der Ablaufleistung nach Kosten inkl. RIY in Euro:

Ablaufleistung gem. PIB inkl. RIY in EuroDiese Darstellung zeigt nun eindrucksvoll, wie viel der Kunde im Endeffekt für die Fondsanlage und den Versicherungsmantel bezahlen muss – in etwa zwischen 8.860 und 71.000 Euro. Die Kosten betragen also im Verhältnis zu der Beitragssumme von 36.000 Euro zwischen 25% und 200%.

Fazit und Lösungsansätze:

Allianz geht den richtigen Weg und bietet Kunden mehr Transparenz als 99% der Mitbewerber. Dies ist wichtig, denn der Marktführer gibt nun mal den Ton an. Die Darstellung sowie meine Analyse zeigen jedoch auch eindrucksvoll, welchen Einfluß die Kosten auf die Rendite und die Entwicklung des Kapitals haben. Jeder Euro, der vorne eingespart wird, bringt hinten entschieden mehr Kapital.

Wie kann gespart werden?

1. Bei der Fondsanlage die TER im Auge behalten. Nur auf passive Anlage durch ETFs zu setzen, ist jedoch auch nicht zielführend.
2. Die Vor- und Nachteile eines Versicherungsmantels sorgsam abwägen
3. Qualifizierte Beratung auf Honorarbasis in Anspruch nehmen, denn nur so ist sichergestellt, dass keine Interessenkonflikte bestehen

Durch den Einsatz von vergleichbaren Nettopolicen lassen sich die o.g. Kosten von rund 2% p.a. auf etwa 1% p.a. reduzieren – dies macht bei ansonsten gleichen Voraussetzungen je nach Renditeerwartung etwa zwischen 4.430 Euro und 35.500 Euro MEHRertrag aus.

Klarstellung: Mit diesen Kostensätzen liegt die analysierte Police etwa in der oberen Hälfte des Marktes. Sie werden überrascht sein, wie hoch die Kosten bei so manch anderen Produkten sind und wie kreativ Finanzkosmetik betrieben wird… :-)

Mit freundlichen Empfehlungen
Wladimir Simonov
Ihr Honorarberater

Nützliche Links:

ITA-Gesamtkostenrechner
FMH-Zinsrechner

Die Inhalte dienen ausschließlich der Information und stellen keinerlei Beratung/ Aufforderung zum Abschluss oder Kündigung von Finanzprodukten dar.
Vervielfältigung und Kopie (auch in Ausschnitten oder als Zitat) darf nur mit ausdrücklicher schriftlicher Zusage erfolgen.

Feb 28

BU-Verkauf: Neue Bestzeit

Sehr geehrte Damen und Herren,

oft genug habe ich bereits über haarsträubende Fälle aus dem Beratungsalltag berichtet – dieser hier verdient aber mal wieder eine Auszeichnung!

Der “Kollege” mit der Krankenversicherung in 20 Minuten hat seinen Meister gefunden: Volksbank ************** eG
Bedarfsermittlung, Beratung und Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung inkl. Antragsaufnahme: 15 Minuten

Der Fall:

Selbstständiger Unternehmensberater mit einem zuversteuernden Einkommen (ZVE) von rund 50.000 Euro p.a. nimmt einen Termin bei seiner Hausbank wahr. Rund eine Viertelstunde später verlässt er die Bank mit einer Berufsunfähigkeitsabsicherung in Höhe von 25.000 Euro p.a.

Bedarfsanalyse:


Bei einem ZVE von 50.000 Euro beträgt die Steuerlast rund 13.500 Euro und das Nettoeinkommen nach Adam Riese somit etwa 36.500€ p.a. Es besteht also schon einmal eine Unterversorgung i.H.v. rund 950 Euro monatlich. Gemäß Statistik treten die meisten Berufsunfähigskeitfälle zwischen Alter 45 und 55 auf – bei einer Laufzeit der Berufsunfähigkeitsrente bis  zum Endalter 67 wären das also in absoluten Zahlen (lediglich aufsummiert und nicht verzinst) zwischen 136.800 und 250.800 Euro privat durch zusätzliche Rücklagen zu finanzierender Kapitalbedarf. Ferner wäre zu berücksichtigen, dass bei einer Inflation von nur 2% p.a. und einer Vertragslaufzeit von rund 40 Jahren, die Kaufkraft um mehr als 50% abnehmen wird – im Klartext: Das Einkommen des Kunden wird sich in etwa verdoppeln müssen, damit er den gleichen Lebensstandard wie heute hat, aber währenddessen halbiert sich seine heute eh schon nicht bedarfsgerechte Berufsunfähigkeitsabsicherung.

Natürlich spielen in der Praxis noch andere Faktoren bei der Ermittlung der richtigen Rentenhöhe eine Rolle – dies soll hier jedoch nicht das Thema sein! ;-)

Nachteilige Merkmale des vorliegenden Vertrages:

- Definition der bisherigen Lebensstellung

Diese Klausel ist vor allem bei Selbstständigen und Freiberuflern wichtig, denn oft genug wird trotz der Berufsunfähigkeit eine andere Tätigkeit ausgeübt. In dem vorliegenden Fall des Unternehmensberaters wäre z.B. eine Tätigkeit als Dozent oder Autor denkbar. Grundsätzlich könnte der Versicherer die Zahlung der Berufsunfähigkeitsrente nun einstellen, wenn die “neue” Tätigkeit den Begriff der “bisherigen Lebensstellung” erfüllt. Zwar ist es positiv, dass der Versicherer diese Klausel in die Bedingungen aufgenommen hat, jedoch wäre eine verbindliche Regelung hinsichtlich der zumutbaren Einkommensminderung empfehlenswerter.

- keine Möglichkeit einer garantierten Rentensteigerung im Leistungsfall

Zwar ist eine Dynamik grundsätzlich möglich, jedoch endet diese genau dann, wenn sie am dringendsten benötigt wird – im Leistungsfall. Somit wird die Höhe der  Berufsunfähigkeitsrente eingefroren und der Kunde verliert nach und nach Kaufkraft, ohne gegensteuern zu können.

Handwerkliche Fehler bei der Antragsstellung:

- Falsche Angabe des Berufes im Antrag und dadurch eine nachteilige Berufsgruppeneinstufung

Aus unerfindlichen Gründen wurde im Antrag als Beruf des Kunden “Elektromechaniker” statt “Unternehmensberater” angegeben. Dadurch rutschte er in eine ungünstigere Berufsgruppe und würde deshalb rund 40% mehr Beitrag zahlen.

- Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht

Ob fahrlässig oder vorsätzlich wurden im Antrag 2 nicht unerhebliche gesundheitliche Einschränkungen nicht korrekt bzw. gar nicht angegeben. Rechtsfolgen für den Kunden wären Rücktritt, Anfechtung oder Kündigung des Vertrages.

- Beratungsprotokoll/ gesetzliche Vorschriften

Sehr grenzwertig ist aus meiner Sicht das vorliegende Beratungsprotokoll mit den Angaben wie “Der Kunde wünscht Beratung zu Risikoleben” oder “Der Kunde wümscht den Abschluss einer Risikolebensversicherung … mit Berufsunfähigkeitszusatz, die Notwendigkeit der Berufsunfähigkeit wurde ausführlich besprochen. VN wünscht die Absicherung in Höhe von 25.000 Euro p.a.” Diese Zeilen klingen für mich angesichts der o.g. Bedarfsermittlung, der nachteiligen Merkmale des Vertrages,  der handwerklichen Fehler sowie der Dauer der Beratung (zur Erinnerung: 15 Minuten) wie blanker Hohn.

Angesichts der beschriebenen Mängel ist es fast schon nicht mehr der Rede wert, dass dem Kunden beiläufig der Verzicht auf Aushändigung der abschlussrelevanten Vertragsunterlagen zur Unterschrift vorgelegt wurde.

Gesamturteil: Neue Bestzeit, Beratungsleistung ungenügend

Ergebnis der Nachbesserungen:

- keine Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht
- Einstufung in die richtige Berufsgruppe
- Abschluss einer Berufsunfähigkeitsrente i.H.v. 36.000 Euro p.a. inkl. garantierter Rentendynamik im Leistungsfall i.H.v. 3% p.a. sowie konkreter Definition der Lebensstelung
- Beitragshöhe rund 10% unter der Empfehlung der Volksbank
- Honorarhöhe 570 Euro (Amortisation durch die Beitragsersparnis innerhalb von 2 Jahren)

Mit freundlichen Empfehlungen
Wladimir Simonov
Ihr Honorarberater

Nützliche Links:

Abgabenrechner

Inflationsrechner

Infoportal zu BU

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